Auswüchse des Hurra-Patriotismus. Erster Akt: Philhellenismus und die Griechische Revolution

Ideologische Dummheit gab es in der Geschichte wirklich schon in jeder erdenklichen Ausführung. Auf der Linken, auf der Rechten und überall dazwischen gab es schon die dämlichsten politischen Ideen. Und über die zu reden macht natürlich Spaß. Um eine davon soll es also auch heute wieder gehen: den Patriotismus. Oder genauer gesagt, den Hurra-Patriotismus! Einige verwandte Ideen haben wir ja schon im Artikel zu den dümmsten nationalen Mythen der Geschichte kennengelernt. Hier möchte ich mich nun etwas den praktischen Auswirkungen einer schlecht durchdachten Ideologie zuwenden. Und weil es dafür so viele Beispiele gibt, folgen in den nächsten Wochen gleich noch zwei weitere Teile der Geschichte. Es macht eben Spaß… Dumm, dümmer, Hurra-Patriotismus Nun gut, der im oben verlinkten Artikel besprochene Nationalismus ist nicht ganz das gleiche wie der Patriotismus. Da sind ja alle stolzen Patrioten immer besonders erpicht darauf, das zu erwähnen. Trotzdem gehören die zwei Ideologien aber zur gleichen Familie. Und ziemlich dämlich sind sie auch beide. Bis vor etwa zweihundert Jahren wäre ja kein Mensch auf die Idee gekommen, sich mit seinem „Volk“ zu identifizieren. In der Ständegesellschaft des Mittelalters und der Neuzeit machte das schlicht keinen Sinn! Nein, nein. All das kam erst im 19. Jahrhundert so […]

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Die Suezkrise. Irgendwie läuft das mit dem Imperialismus nicht mehr so recht…

Alte Gewohnheiten kann man sich bekanntlich nur schwer abgewöhnen. Das weiß ja jeder von uns, auch wenn wir uns – so wie jetzt – zu Jahresbeginn gerne Anderes einreden. Um eine besonders liebgewonnene Gewohnheit der Europäer soll es heute gehen: den Imperialismus! Genauer gesagt um dessen spektakuläres Ende in der Suezkrise von 1956. Da wollten es Großbritannien und Frankreich nämlich nochmal wissen und fielen so richtig schön auf die Schnauze. Damit schufen sie ohne es zu wollen die Welt, wie wir sie heute kennen. Lief irgendwie nicht mehr so, die Sache mit dem europäischen Imperialismus. Dabei fing es so vielversprechend an… Großbritannien, Frankreich der europäische Imperialismus Nur zehn Jahre vor den Ereignissen der Suezkrise, am Ende des Zweiten Weltkriegs, gab es in Europa bekanntlich einen klaren Verlierer. Das letzte Aufbäumen deutscher Großmachtfantasien war letzten Endes doch noch abgewehrt worden. Auf der anderen Seite gab es auch klare Sieger: Frankreich und vor allem Großbritannien. Jahrelang hatte sich der kleine Inselstaat alleine der deutschen Übermacht entgegengestellt. Wochenlang bombardierte Hitler gar die britische Hauptstadt selbst und doch, nach sechs Jahren Krieg, war es dann Deutschland, das in Schutt und Asche lag. Großbritannien dagegen stand aufrecht, stolz und stark, wie es immer schon gewesen war. […]

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Seit wann feiert man eigentlich Weihnachten? Und warum überhaupt?

Traditionen sind ja generell etwas Merkwürdiges. Eine Anhäufung komischer Rituale, Lieder und Gewohnheiten, die man von Kindeszeiten an als normal kennenlernt und nie so recht hinterfragt. Weihnachten ist unter den vielen Traditionen, die wir so pflegen, aber natürlich eine ganz besondere. Immerhin ist es das bedeutendste Fest des Jahres! Beim näheren Hinsehen ist Weihnachten aber auch nur ein weiteres komisches Ritual. Und noch dazu ein ziemlich frei erfundenes. Jetzt mal ehrlich. Wer würde denn auch von sich aus auf die Idee kommen, in den Wald zu gehen, einen Baum zu schlagen, ihn sich ins Wohnzimmer zu stellen und mit Metallkugeln zu behängen? Das würde wohl nirgends als sozial akzeptables Hobby durchgehen.  Ähnlich verhält es sich mit der Idee, ein alter Mann mit Bart würde durch den Kamin kommen und uns Geschenke bringen. Das wäre in Realität auch mehr ein Anlass für einen Polizeibesuch als zur Freude. Bei so viel Absurdität stellt sich dann schon die Frage: Seit wann und warum feiern wir Weihnachten eigentlich so, wie wir es feiern? Von Beginn an eine komplizierte Geschichte Wie so viele eigenartige Traditionen reicht auch Weihnachten einige Zeit zurück. Wann genau man damit begann, das Weihnachtsfest zu feiern, ist allerdings unklar. Es war […]

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Russland ist Europa! Hätten sich die Wikinger nur etwas mehr angestrengt…

Russland und Europa haben ja nicht gerade die einfachste Beziehung. In der Schule haben wir zwar gelernt, dass alles bis zum Ural zu Europa gehört. Trotzdem fühlt es sich nicht so an, als gehörten die Russen wirklich dazu. Es gibt einfach große Unterschiede. Immerhin regiert in Russland ja seit Ewigkeiten ein oben ohne durch die Gegend reitender, mit Bären kämpfender Judomeister. Sowas würde es bei uns doch niemals geben! Wir haben hier, in Europa, zivilisierte, anzugtragende und verantwortungsvolle Politiker, die nur unser Bestes im Sinn haben. Oder so… Doch auch Russland war einmal anders. Das Land wurde ja bei weitem nicht von irgendwelchen wilden Slawen oder noch wilderen asiatischen Steppenvölkern errichtet. Nein, Russland war eine Gründung der Wikinger! Und damit steht das Land in Europa nicht gerade alleine da. Da muss es doch Gemeinsamkeiten geben! Russland, Europa und die Wikinger Die Wikinger haben heute ja einen eigenartigen Ruf. Man verbindet mit ihnen meist Hornhelme, unangemessenen Met-Konsum und einen gewissen Hang zur Gewalt. Keine sonderlich positiven Attribute, würde man denken. Da ist es umso komischer, dass die Wikinger sich extremer Beliebtheit erfreuen. Von Kinderserien wie „Wiki und die starken Männer“ bis hin zu allerlei Metalbands bedienen sich heute viele bei den […]

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Die drei dämlichsten nationalen Meistererzählungen der Geschichte

Nationen. Sie sind wohl die dümmste Erfindung, auf die die Menschheit je kam. Oder zumindest stehen sie doch auf einer Ebene mit Schwarzpulver und Autos. So eine Nation erhält sich aber natürlich nicht von selbst. Man muss dem eigenen Volk auch regelmäßig einreden, dass es immer noch zur Nation gehört! Hier kommt die sogenannte Meistererzählung ins Spiel. Eine Herkunftsgeschichte, die uns erklären soll, warum wir eigentlich zusammengehören und wie wir hinkamen, wo wir heute sind. Und so negativ die Auswirkungen des Nationswahns auch sind, bleibt uns zumindest eines: über diese Meistererzählungen zu lachen. Denn viele von ihnen sind wirklich unfassbar lächerlich. Hier sind meine Top 3 der dämlichsten nationalen Meistererzählungen der Geschichte. Meistererzählung I | Ungarn und der Turul Die ungarische Legende des Turul ist wohl die behämmertste nationale Geschichte von allen. Und noch besser: Sie ist zentral zum ungarischen Nationsverständnis! Da macht es gleich doppelt so viel Spaß, sich darüber lustig zu machen. Der Turul ist in der ungarischen Meistererzählung ein großer adlerähnlicher Greifvogel. Wer mal in Ungarn war, hat vielleicht sogar schon die ein oder andere Turul-Statue gesehen. Die Ungarn bauen diese nämlich gern am Autobahnrand auf, dass man sie auch als Außenstehender ja gut sehen kann. Aber […]

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Die Anti-Corn Law League: als Freihandel noch revolutionär war

„Freihandel, oh Schreck!“ So geht es heute vielen. Es ist ja auch modern, gegen Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA zu sein. Das hat so etwas Rebellisches an sich. Man lehnt sich gegen das System auf, nimmt eine kritische Haltung ein und so weiter. Das hat schon was. Aber: Auch der Freihandel war mal radikal und sogar revolutionär! Es gab in der Geschichte nämlich Zeiten, da liefen NGOs nicht Sturm gegen irgendwelche Freihandels-Deals. Sie kämpften für diese! Um eine dieser „NGOs“ soll es heute gehen: die englische Anti-Corn Law League. Freihandel und Liberalismus: die kleinen Anfänge Wenn man über Entwicklungen des 19. Jahrhunderts redet, ist ja meistens von Großbritannien die Rede. Ist auch klar. Wir reden hier über die Blütezeit des britischen Empires! Damals kontrollierte diese kleine Insel immerhin ein Viertel der Welt. Man erfand im Alleingang die Industrialisierung und so ganz nebenbei, und zögerlich, auch den Wirtschaftsliberalismus. Die Folgen davon sind heute überall. Liberalismus und Freihandel sind zu Grundpfeilern der westlichen Welt geworden. Revoluzzer wird man dementsprechend, indem man sich dagegen auflehnt. Oder man wird einfach Punk, kauft sich um 10 Uhr morgens eine Dose Bier und stellt sich zum Bahnhof… Aber gut. Unterstellen wir mal, die lehnen sich auch […]

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Joseph Kyselak: als ein Taugenichts aus dem Biedermeier die Graffiti erfand

Kunst ist ja bekanntlich Ansichtssache. Was für den einen eine wahre Meisterleistung ist, ist für den anderen nur das nutzlose Gekritzel irgendeines betrunkenen Vollidioten. Und wenn wir ganz ehrlich sind: oft ist es das auch. In der Welt der Street Art und Graffiti ist dieses Problem ganz besonders ausgeprägt. Nichts erzürnt einen gestandenen Street Artist mehr, als wenn sein Werk von irgendeinem dahergelaufenen Sprayer verunstaltet wird. Ganz besonders wenn dem nichts Besseres einfällt, als einfach seinen Namen über das Bild zu sprayen, sich also billig zu taggen. Aber die Künstler sollten das nicht so eng sehen. Auch das Taggen blickt auf eine stolze Tradition zurück! Darf ich vorstellen: Joseph Kyselak, der erste Tagger der Geschichte und Graffiti Meister der Biedermeier Zeit. Joseph Kyselak: ein geborener Versager? Also wer war dieser Joseph Kyselak und was hat er mit Graffiti am Hut? Furchtbar viel ist über ihn nicht bekannt. Er wurde wohl irgendwann Ende des 18. Jahrhunderts in Wien geboren. So ganz sicher ist man sich bei seinem genauen Geburtsjahr nicht, es war aber sicher keine allzu tolle Zeit für eine sorgenfreie Kindheit. Gute zehn Jahre vor der Geburt des kleinen Joseph war ja in Frankreich die Revolution ausgebrochen, bald zog ganz […]

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Die Glorreiche Revolution: dann wäre das Problem ja gelöst

Revolutionen können ja vieles sein. Blutig oder friedlich, nötig oder unnötig. Was eine bestimmte Revolution dann genau ist, hängt natürlich immer von der Sichtweise ab. Heute möchte ich aber über eine ganz andere Revolution sprechen: die Glorreiche Revolution Englands im Jahr 1688. Und auch wenn man den Briten ja gerne unterstellt, so ziemlich alles gleich als glorreich, legendär und gar mythisch hinzustellen, hat dieses Wort hier schon seine Berechtigung. Die Glorious Revolution, wie man sie im Englischen kennt, war eine wirklich glorreiche. Naja, zumindest wenn man davon absieht, dass man einen Holländer einladen musste, um im eigenen Land für Ordnung zu sorgen. Die heutigen Brexit Anhänger müssten sich eigentlich grün und blau ärgern. Das englische Problem mit dem Katholizismus Wie so vieles in der englischen Geschichte, hat die Glorreiche Revolution alles mit Religion zu tun. Das Thema Religion und Religionsausübung ist ja einer der faszinierendsten Widersprüche in dem Land. Einem Land, in dem heute gefühlt jede zweite Kirche in einen Nachtclub, Supermarkt oder Sikh-Tempel umgebaut wurde. Denn was England heute ist, hat seine Wurzeln zu großen Teilen in den Glaubensstreitigkeiten früherer Zeiten. Die Periode, in der diese Streitigkeiten wohl am intensivsten ausgetragen wurden, war das 17. Jahrhundert. Die Ereignisse, die […]

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Von unschmeichelhaften Beinamen, zerfallenden Reichen und haarigen Katalanen

Das 9. Jahrhundert war schon eine seltsame Zeit. Europa lag wieder mal im Umbruch. Das legendäre Frankenreich Karls des Großen stand vor seinem Ende. Wikinger machten die Meere unsicher. Was aber fast noch mehr auffällt als die politischen Umwälzungen der Zeit, ist wie dumm die Herrscher damals eigentlich benannt waren. Mir PR-Wirkung hatte man es damals offensichtlich noch nicht so. Tauchen wir also ein in eine Welt von Kahlen, Stammelnden, Dicken, Haarigen und schlichtweg Einfältigen. Auf dieser Reise werden wir ganz nebenbei noch erfahren, wie Katalonien zum ersten Mal in seiner Geschichte die Unabhängigkeit erlangte und vielleicht – nur ganz vielleicht – sogar etwas über die Welt von heute lernen. Das Jahr 843 – als der Traum des Römischen Weltreichs endgültig starb. So wie 476, 480, 1453… Wie gesagt, das 9. Jahrhundert war eine Zeit des Umbruchs. Dabei sah es an der Wende zu diesem Jahrhundert noch vielversprechend aus für Europa. Karl der Große konnte weite Teile des ehemaligen Römischen Reichs unter seiner Herrschaft vereinen, ein großer Traum der damaligen Zeit, vor allem unter der kirchlichen Elite. Im Jahr 800 wurde Karl sogar zum ersten Kaiser seit dem Fall Roms gekrönt! Die tragische Geschichte des römischen Niedergangs schien damit endlich […]

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Das Darien-Projekt: als der Kolonialismus Schottland ruinierte

Im September 2014 stimmte Schottland darüber ab, ob sich das Land von Großbritannien loslösen und wieder ein selbstständiger Staat werden sollte. Bekanntlich war die Mehrheit der Befragten in diesem Referendum dagegen, dennoch ist die schottische Union mit England heute alles andere als in Stein gemeißelt. Wenn man genau hinschaut, war sie das aber eigentlich noch nie. Es war nämlich nicht gerade so, dass die Schotten den Act of Union, der die Königreiche England und Schottland im Jahr 1707 miteinander vereinte, sonderlich gefeiert hätten. Vielmehr war die Vereinigung aus schottischer Not entstanden. Und diese Not ist ohne eine ganz bestimmte Geschichte nicht zu verstehen: dem Scheitern des schottischen Kolonialismus im Darien-Projekt. Die letzten Jahre des unabhängigen Staates Schottland Als der Act of Union 1707 das Vereinigte Königreich schuf, waren England und Schottland schon seit über hundert Jahren in einer Personalunion miteinander verbunden. Anfang des vorigen Jahrhunderts hatte die schottische Stuart-Dynastie den englischen Thron beerbt, den sie seither einigermaßen miserabel managte. Die Stuarts waren dabei so unfähig und unbeliebt, dass sie in nur hundert Jahren gleich zwei Revolutionen gegen sich provozierten. In den 1640ern wurde König Karl I. von den Truppen Oliver Cromwells erstmal von der Insel gejagt. Als nach zehn Jahren […]

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