… weil Geschichte auch mal spannend, lustig und gehässig sein darf

Geschichte. Warum sie wichtig ist - ja sogar lustig und spannend sein kann - und warum es jetzt noch einen Geschichte Blog braucht.

 

„Geschichte wiederholt sich“. Bei der Aussage kommt gestandenen Historikern der Brechreiz. Natürlich wiederholt sich Geschichte nicht, wie sollte sie denn auch?! Jede Zeit hat ihre eigenen Rahmenbedingungen und Probleme. Man kann die Gegenwart nicht einfach mit der Vergangenheit gleichstellen oder noch schlimmer: versuchen, die Zukunft mit der Vergangenheit vorherzusagen. So funktioniert die Welt einfach nicht. Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, seine heutigen Alltagsprobleme mit den Methoden des 18. Jahrhunderts zu lösen! Wobei… Ich lade jeden zum Selbstversuch ein. Spaziert doch bei nächster Gelegenheit mal mit einem Bajonett in die Bankfiliale, um euren Kreditrahmen zu besprechen. Sicher spannend.

Auch wenn die Mär der sich wiederholenden Geschichte Blödsinn ist, kennt doch jeder von uns diesen Gedanken: „Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor“. Fast täglich passiert etwas in der Welt, das in uns so ein Déjà-vu auslöst. Ob es Finanzkrisen und Migrationsströme sind, Donald Trump oder der Brexit. Solche Ähnlichkeiten und Zusammenhänge lohnt es schon, sich etwas näher anzuschauen. Genau das soll dieser Blog tun. Nebenbei soll das Ganze dann auch noch spannend und unterhaltsam sein. Weil das hat sich die Geschichte verdient!

Aus der Geschichte lernen?

Die schlechte Nachricht zuerst: Die Geschichte hat uns leider gelehrt, dass wir unfähig sind, aus ihr zu lernen. Zumindest kann man kaum zu einer anderen Schlussfolgerung kommen. Wir wissen fast alles über die Weltwirtschaftskrise von 1929, trotzdem haben wir in den letzten zwanzig Jahren gleich zwei ähnliche Finanzkrisen erlebt. Griechenland war in den vergangenen zweihundert Jahren regelmäßig alle paar Jahrzehnte bankrott. Ein wirksames Mittel dagegen wurde offensichtlich bis heute nicht gefunden. Populistische Politiker mit unglaubwürdigen Versprechungen wurden im 20. Jahrhundert von Europa bis Lateinamerika mit überwältigen Mehrheiten gewählt und scheiterten überall spektakulär. Trotzdem ist Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten und Boris Johnson britischer Außenminister. Da muss man fast sagen: Die Menschheit wurde über die letzten paar hundert Jahre keinen Deut klüger. Eher ist sie sogar noch mehr verblödet.

Aber trotzdem ist nicht alles schlecht. Für liberal denkende Menschen mögen Ereignisse wie der Brexit oder die Präsidentschaft Donald Trumps zwar ein Desaster sein. Da ist es aber zumindest schön, zu sehen, dass es ähnliche Desaster auch früher gab. Und wir leben immer noch! Wenn man sich die Geschichte genau anschaut, hat sich sogar einiges verbessert. Klar, wir müssen uns heute mit allerlei dummen politischen Ereignissen rumschlagen, die Jugend sieht die Welt nur noch durch ihren Smartphone-Bildschirm, die Autokonzerne belügen uns und ohnehin geht eigentlich alles den Bach runter, ich weiß schon.

Aber zur Erinnerung: Noch 1929 setzte eine Weltwirtschaftskrise die westliche Welt über Nacht um Jahrzehnte zurück und führte in Europa politischen Extremismus von ganz neuem Ausmaß. Das tun Krisen zwar auch heute noch, ganz für einen neuen Hitler reicht es dann aber doch nicht. Ging Griechenland im 19. Jahrhundert pleite, bedeutete das für viele Griechen Hungersnot und Tod. Heute wandern sie nach Irland aus und arbeiten in einem Pub. Wurden populistische Politiker vor 80 Jahren gewählt, hieß das Gulag und KZ. Heute heißt das dumme Tweets und noch dümmere Forderungen nach Solar-Mauern oder sowas. Ja, ich vereinfache hier und nein, ich verstehe Donald Trumps Gedankengänge auch nicht.

Geschichte darf auch spannend und lustig sein

Bei all diesen Ereignissen ist es wenig überraschend, dass Leute zunehmend politikverdrossen sind. Geschichtsverdrossen ist die Öffentlichkeit aber zum Glück nicht! Historische Romane gehören seit Jahren zu den meistverkauften Literaturgenres, Bücher wie „Game of Thrones“ wurden zu Geschichten einer Generation und zur erfolgreichsten Fernsehserie seit Jahren. Nun sind diese Bücher und Serien zwar historisch angehaucht, echte Geschichte sind sie aber natürlich nicht. Gleichzeitig hat es die „echte“ Geschichtswissenschaft vollbracht, die Menschen von sich abzuschrecken.

Und das ist auch verständlich. Ich kann schon nachvollziehen, warum der Durchschnittsbürger gar nicht mal so viel Lust hat, sich von einem alten Professor die Welt erklären zu lassen, der geistig in den 1960er-Jahren und modisch im frühen 19. Jahrhundert hängengeblieben zu sein scheint. Dabei war die Geschichte doch immer schon eine der zugänglichsten Wissenschaften überhaupt! Nicht ohne Grund hat kaum ein Fach so viele Hobby-Wissenschaftler wie die Geschichte. Aber gut, die sind auch wieder alle über 70 und teilen sich das Modebewusstsein mit dem oben genannten Professor. Es bleiben ja nur die Alten! Die heutige Jugend schaut ja lieber aufs Handy und so. Früher war eben doch alles besser.

Der Sinn eines Geschichte Blogs

Es gibt also gute Gründe, einen Blog über Geschichte zu schreiben. Geschichte wiederholt sich nicht, kann uns aber Perspektive auf die Gegenwart geben. Wir lernen nicht aus der Geschichte, sollten es aber, wir beschweren uns über die Gegenwart, ohne einen Vergleichswert zu haben und wir schätzen Historie, finden echte Geschichtswissenschaft aber öde. Da macht es doch Sinn, sich der Materie mal unvoreingenommen zu nähern. Wäre es jetzt 2005, würde man sofort rufen: „das verlangt doch nach einem Blog!“ 2017 ist die Sache etwas anders, aber ich bin nun mal Historiker. Wer kann schon von Historikern erwarten, immer am Puls der Zeit zu sein? Und wer weiß? Vielleicht kommt irgendwann auch noch etwas Modernes. Ein Podcast oder so. Früher nannte man das übrigens Radio…

Auf diesem Blog möchte ich bis dahin regelmäßig einen Blick in die Geschichte werfen. „Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor“. Genau dieses Gefühl soll der Ausgangspunkt sein. Ich möchte aktuelle Ereignisse herauspicken und ihre historischen Verwandten näher beleuchten. War die Jugend schon immer so verdorben? Haben wir diesen Brexit nicht auch schon mal gesehen? Warum ist Katalonien eigentlich noch nicht unabhängig?  Wie wurde man im 19. Jahrhundert zum Revoluzzer? Spannenden Stoff gibt es genügend, ihr werdet sehen.

 

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