Die Amish, ihre Geschichte und Religion

Wenn man an die Amish denkt, schießen wohl jedem und jeder von uns gleich Bilder in den Kopf. Das ist doch eine komische Sekte, die in den USA nach strengen Regeln abgekoppelt vom Rest der Bevölkerung lebt, als wäre es das 18. Jahrhundert. Das ist in etwa die vorherrschende Idee über Amische. Dass dieses Bild bestenfalls ein grob unvollständiges ist, dürfte dich an der Stelle wahrscheinlich nicht überraschen. Denn die Amish blicken selbstverständlich auf eine bewegte Geschichte zurück genauso wie auf einige spannende Entwicklungen in den Vorstellungen ihrer Religion. Um dieser Geschichte und der Kultur der Amish im allgemeinen gerecht zu werden, müssen wir also nicht ins Amerika des 21. Jahrhunderts schauen. Wir sollten uns da eher Deutschland und der Schweiz im 16. Jahrhundert genauer vornehmen.

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Um das zu tun, habe ich mir in dieser Folge wieder einen ganz besonderen Gast in den Podcast geholt: Fabian von Secta! Gemeinsam schauen wir uns in dieser Episode also an, wo die Wurzeln der Amish wirklich liegen und was sie als Gruppe ausmacht. Wir reden über die Täuferbewegung des 16. Jahrhunderts und über die Mennoniten und Hutterer. Wir reden auch über die deutsche Sprache, die die Amish aus Mitteleuropa mit bis nach Pennsylvania oder Ohio genommen haben und nicht zuletzt sprechen wir über die Religion dieser Menschen. Es kann also spannend werden – hör rein!

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Links zur Episode

Quellen

  • Peter Santenellos YouTube-Serie
  • Folge von Historia Universalis
  • Willms, Gerald: Die wunderbare Welt der Sekten. Von Paulus bis Scientology. Abschnitt: “Die Ordnung der Reinen: Amish People”(S. 63-66). Göttingen 2012.
  • Ester, Peter: Die Amish People. Überlebenskünstler in der modernen Gesellschaft. Düsseldorf 2005.

12 Gedanken zu „Die Amish, ihre Geschichte und Religion“

  1. Kleine Ergänzung zum „Rumspringa“: Es ist nicht nur Überzeugung von der eigenen Sache, dass dieser Ausflug in die Außenwelt ermöglicht wird. Sondern auch ein psychologischer Trick: Gerade durch den enormen Kontrast werden viele der Jungen – umgangssprachlich formuliert – geschockt. Und natürlich sowohl sachlich als auch emotional weitgehend überfordert. Woraufhin sie sich in der gewohnten Umgebung nota bene weitaus besser aufgehoben fühlen, und das Kapitel mit einer Variation von „been there – done that“ abschließen können.
    Würde man den Jungen z.B. längerfristige, gleitende Übergangsphasen raus und wieder rein ermöglichen, wäre die Ausfallrate sicher drastisch höher. Vom Phänomen her in der Psychologie nix Neues. Womit ich Gläubige jeder Art keineswegs diskreditieren will – aber denn doch darauf hinweisen, dass man sich auch altbekannter Mechanismen bedient. Wie in vielen gesellschaftlichen/religiösen/politischen Bereichen auf der Welt ist auch beim Rumspringa ein bisserl ein doppelter Boden Bestandteil des Konzepts 😉

  2. Hallo Ralf
    Könnte man als nicht Amish den Amish beizutreten? Das fragte ich mich als es um die Frage ging Sekte oder nicht. Viele Grüße. Michael

    1. Hallo Michael! Gute Frage – die ich auch gleich ins Déjà-Klugschiss der kommenden Folge übernommen habe. Soweit ich weiß geht das, es wird aber auf keine Art beworben. In liberaleren Gruppen kann man wahrscheinlich sogar einheiraten, wie ein Beitritt sonst konkret aussieht, ist mir aber nicht klar.

  3. Lynette Stoltzfus

    Ich bin mennonitisch in Lancaster County aufgewachsen, und meine Urgroßeltern waren Amish. Ich bin im Umfeld der Amischen und natürlich der Mennoniten aufgewachsen. Ab und zu heiratet jemand in die Amish ein oder wird von ihnen adoptiert. Aber wie gesagt, das passiert selten. Viele Menschen bewundern die Art und Weise, wie sie leben, aber viele können nicht so leben. Wenn ich mich recht erinnere, gab es Leute, die sich ihnen anschlossen, dann aber wieder austraten, weil das Leben einfach zu anders war – besonders für Frauen.

    1. Sehr spannend, vielen Dank, dass du dich meldest! Was mich sehr interessieren würde: Wie war das bei euch in die umgekehrte Richtung? Kam es häufiger vor, dass Mitglieder der Amish zu den Mennoniten gewechselt sind? Ich habe zumindest Hinweise darauf gelesen

    2. Das ist für mich auch eine grosse Frage, wie geht es den Frauen. Wenn ich das richtig verstanden habe, haben ja die Männer das Sagen und die Frauen haben auch kein Stimmrecht. Wär schön gewesen, über diesen Aspekt auch etwas zu erfahren, da er ja immerhin die Hälfte der Amish Bevölkerung betrifft.
      Was für mich auch problematisch ist, ist das „entweder – oder“. Ich schätze an meiner Familie und Kultur, dass ich frei entscheiden kann, ob ich zB. gläubig bin oder nicht. Wie ich leben möchte, ist mir überlassen. Auch wenn ich nicht so leben will wie meine Eltern, kann ich sie trotzdem besuchen und mit ihnen Kontakt haben. Ich bin nicht drin oder draussen. Es ist keine Entscheidung für oder gegen.

      1. Danke – ja das ist mir sogar während der Aufnahme noch aufgefallen. Wir kamen dann zum Thema, ich habe es aber einfach verabsäumt, mich da getrennt anständig einzulesen. Schade und ein wirklich zentraler Aspekt, den wir da letztendlich nur streifen können. Den zweiten Teil deines Kommentars haben wir aber hoffentlich ausführlich genug diskutiert – das sehe ich auch so. Denn bei allen romantisch angehauchten Erzählungen über Rumspringa etc. darf man eben nicht vergessen, dass so eine „Wahl“ als Jugendliche:r die Gruppe zu verlassen, nicht wirklich frei ist, wenn man nichts anderes kennt

    3. Tolle Folge – und danke, dass Ihr meinen Einspieler verwendet habt!
      Über meine Zugreise mit den Mennoniten habe ich auf meinem Blog noch mehr Details beschrieben – und sogar heimlich ein paar Fotos von ihnen gemacht:
      https://andreas-moser.blog/2019/05/31/zug-und-zeitreise/

      Ich fand das Zusammentreffen auch deshalb so interessant, weil ich selbst – ohne diesbezüglichen religiösen oder ethnischen Hintergrund -ziemlich technikskeptisch bin. Ich habe zB kein Smartphone, keinen Kindle, keine Alexa, kein Auto, nicht einmal ein Fahrrad.
      Ich habe die Philosophie der Amish und Mennoniten deshalb sehr gut verstanden: Man überlegt (und diskutiert) bei jeder Neuerung, ob man sie wirklich braucht. Man schaut sich Vor- und Nachteile an, wägt ab und trifft dann eine Entscheidung im Einzelfall. So kommen auch die unterschiedlichen Handhabungen in unterschiedlichen Gemeinden zustande. Zum Teil sind es unterschiedliche Anforderungen (je nach Geographie oder Art der Landwirtschaft/des Handwerks), zum Teil verlief einfach die Diskussion in Gemeinde A anders als in Gemeinde B.
      Ich finde das viel schlauer als sich blind alles zu kaufen, was neu auf den Markt kommt, obwohl sie es vor einem halben Jahr noch nicht „gebraucht“ haben. Und jetzt stehen Millionen Thermomix-Geräte nutzlos in den Küchen dieser Welt. Und man schaue sich nur einmal an, was alles in den Gartenhütten oder Garagen unserer Länder an nur einmal genutzten Geräten rumgammelt.

      Ganz aktuell würde ich bei den negativen Aspekten der Amish noch die Weigerung anführen, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. (Die Mennoniten scheinen da offener zu sein.)

      1. Vielen Dank nochmal, dass du mir die Geschichte erzählt hast!

        Haha – und ein sehr schönes Beispiel mit dem Thermomix ausgerechnet 😉 Ich bin da zwar deutlich weniger skeptisch als du, kann dem aber auch einiges abgewinnen. Ich möchte ehrlich gesagt nicht wissen, was z.B. eine Smart Watch mit der Aufmerksamkeitsspanne und den Stresslevels ihrer Träger anstellt. Froh keine zu haben. Ein Fahrrad würde ich dir trotzdem voll Überzeugung ans Herz legen 😉

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