Kärnten und der ewige Slowenenhass

Am 10. Oktober jährte sich zum hundertsten Mal die Kärntner Volksabstimmung von 1920. In dieser Abstimmung konnte die Bevölkerung im Süden Kärntens darüber entscheiden, ob sie zu Österreich oder zum jugoslawischen SHS-Staat gehören wollten. Mit einem knappen Ergebnis von etwa 59 Prozent für Österreich bildet der Ausgang dieser Abstimmung bis heute den Gründungsmythos für das Land Kärnten. Besonders hervorgehoben wird dabei gern, dass etwa die Hälfte der Kärntner Slowenischen Bevölkerung im Abstimmungsgebiet für Österreich gestimmt hat. Leider wurde diese Zustimmung in Zukunft aber gerne mit Unterwerfung verwechselt …

Melde dich hier für den Déjà-vu Newsletter an. Hier kannst du Déjà-vu Geschichte finanziell unterstützen.

In dieser Episode des Déjà-vu Geschichte Podcast soll es also um jene Kärntner Slowenen gehen. Wir werfen einen Blick in die lange Geschichte der Volksgruppe und werden sehen, warum „Slowenisch“ in diesem Land lange vor dem Deutschen gesprochen wurde. Wir verfolgen die Entwicklung bis zum Schicksalsjahr 1918 nach, reden darüber, was der sogenannte Kärntner Abwehrkampf war und was in den Jahren und Monaten vor der Volksabstimmung geschah. Nicht zuletzt schauen wir uns an, was danach passiert ist, wie die Kärntner slowenische Volksgruppe im 20. Jahrhundert marginalisiert wurde, Vertreibung und Aussiedlung ertragen musste, was der Begriff „Windische“ dazu beigetragen hat und warum Themen wie der Ortstafelstreit von deutschnationalen Akteuren wie Jörg Haider noch im 21. Jahrhundert bedient wurden. Es wird ein wilder und teils grantiger Ritt.

Diese Episode und die Shownotes findest du auch auf ralfgrabuschnig.com. Dort kannst du mir gerne ein Kommentar hinterlassen, ich würde mich freuen, von dir zu hören! Und wenn dir der Déjà-vu Geschichte Podcast gefällt, abonniere ihn doch bitte in deinem Podcatcher. Das hilft mir ungemein, ein wenig Sichtbarkeit in der großen weiten Welt der Podcasts zu erlangen.

Links zur Episode

20 Gedanken zu „Kärnten und der ewige Slowenenhass“

  1. Barbara Fischer-Bossert

    Hallo Ralf,
    beim Sprechen ist es verzeihlich, aber beim Schreiben nicht: „Dort kannst du mir gerne ein Kommentar hinterlassen“ ist einfach schlampiges Deutsch. Tut mir leid, aber so viel Sprachgefühl sollte man, zumal als Muttersprachler, schon haben.

    1. Kolja Kabantschik

      Ich empfehle Anklage beim obersten Sprachgericht. Unfassbar! Dass die Sprachpolizei da noch nicht gegen vorgegangen ist, erschüttert mich zutiefst! 10 Jahre Isolationshaft mit anschließender Sicherheitsverwahrung?

      Ich hoffe Sie verstehen mein [;-P] Kommentar so humorig, wie er gemeint ist und nicht als persönlichen Angriff, aber bei der Bezeichnung einer solchen Lappalie als unverzeihlich hatte ich einfach das Bedürfnis etwas zu antworten.

    2. Ludwig Georg Rehle

      Hallo Ralph,
      alles veraltet: Deine Enkel werden entweder Englisch oder – wahrscheinlicher – Mandarin sprechen.
      Gruß,
      Ludwig

      1. Hallo Ludwig,

        eine Sprache muss nicht immer „nützlich“ sein, um für die Gesellschaft einen Wert zu haben. Allein die Tatsache, dass eine lebendige Minderheitensprache die nationale Norm unserer Welt hinterfragt, ist schon unfassbar viel wert mMn

    3. Hallo Ralf,

      sehr interessante Podcast-Folge. Mein früherer Professor, der aus Kärnten stammte, hatte uns Politikstudenten vor circa 6 Jahren zu einer Hochschulkonferenz in Feldkirchen zum Thema Migration mitgekommen. Dort haben wir Deutsche zum ersten Mal von Kärntner Slowenen gehört. Deine Podcast-Episode deckt sich mit den Information, die wir erhielten. Die Minderheit wurde im letzten Jahrhundert praktisch „wegdiskriminiert“ und teilweise verfolgt, so dass es heute praktisch kein Problem mehr gibt, um es zynisch zu beschreiben.
      Ich finde es immer wieder großartig, wie Du für aktuelle Themen einen historischen Bezug herstellst. Gerade die Geschichte der Slowenen in Kärnten zeigt anschaulich, dass gerade die Frage von Minderheiten in unseren vermeintlich so modernen Nationalstaaten weiterhin präsent ist, nur leider viel zu oft ignoriert wird.

      Freue mich schon auf die nächste Folge Deines Podcasts

      1. Hallo! Finde ich toll, dass du da einen Bezugspunkt hattest! Ich hätte das Ganze doch als ziemliches Nischenthema gesehen, zumindest für ein deutsches Publikum. Und ja, leider kann man das fast nur so zynisch beschreiben..

    4. Rosa Moser-Bacher

      Griaß di Ralf.
      Schön, daß du unsere Kärntner Geschichte aufgreifst. Mußte ein paar Mal laut lachen. Mir gefällt deine authentische Art zu erzählen und auch, daß dein Kärntner ich immer wieder hörbar ist. Da ich in aus Oberkärnten stamme, war mein erster Kontakt mit Slowenen erst mit 22 im Studentendorf Klagenfurt. Ich weiß noch, wie paff ich war damals, da ich, außer der 10.en Oktoberfeier in der Volksschule überhaupt keinen Bezug zu dem ganzen Thema hatte. Jetzt, da ich in Villach lebe und mit slowenischen sprechenden Kindern Führungen im Naturpark mache, versuche ich auch immer wieder die slowenischen Sprache ein wenig zu lernen. Und ich erzähle in Warmbad auch immer von der Großveranstaltung, die dort auf der Napoleonwiese vor der Abstimmung stattgefunden hat und wie gesagt, die Geschichte allgemein, und auch die der Kärntner Slowenen interessiert mich sehr und ich schäme mich oft für meine Landsleute mit ihrem kärntnerischen Nationaldenken. Danke, es war sehr spannend und erfrischend und ich freue mich auf weitere Geschichten. Pfiat di Rosa.

      1. Servus Rosa! Haha, ja so ganz raus kriegt man den Kärntner nicht aus der Sprache – muss aber auch nicht sein 😉 Ich finde es großartig, dass du auch ein wenig Slowenisch lernen willst! Ich stolpere da leider auch immer nur durch, obwohl ich ganz passabel Kroatisch kann. Das wäre auf meiner To-Do-Liste relativ weit oben, sollte ich je nach Kärnten zurückkommen.

    5. Hallo Ralf,

      vielen Dank für den sehr interessanten Podcast.
      Als Lausitzerin gehören für mich zweisprachige Schilder in Orten mit hohem sorbischen Bevölkerungsanteil als selbstverständlich zum Ortsbild – zum Teil nur Ortsschilder, teilweise aber auch Straßenschilder.
      In meiner Schulzeit (in den 200ern) wurden uns die sorbischen Traditionen als etwas positives, etwas was die „Region bunt macht“ beigebracht, und verschiedene sorbischen Traditionen werden in vielen Regionen der Lausitz – auch denen mit kaum sorbischen Bevölkerungsanteil – mehr oder weniger begangen (beispielsweise die „Vogelhochzeit“).
      Diese besonderen Traditionen hier in der Region haben sich zum Teil auch gewissermaßen als „Tourismus-Marketing-Strategie“ entwickelt.
      Trotz allem sollte man die Geschichte und die Unterdrückung der Minderheiten nicht vergessen – und sicher ist hier auch noch Verbesserungs- und Förderungpotential vorhanden – vor einigen Jahren gab es in der Region die Initiative „und auf sorbisch?“, in der mit Aufklebern auf einsprachigen Schildern (beispielsweise an diversen Ämtern) die Zweisprachigkeit gefordert wurde.
      Der problematische Wortursprung des Wortes „Wenden“ war mir vor dem Podcast überhaupt nicht bewusst.

      Corinna

    6. Rafael Mistelbauer

      …Twitter-Account wieder mal Reaktiviert & nur durch Zufall auf deinen Podcast gestoßen. Hab gehofft, dass sich die Jungs von ‘Zeitsprung’ dieses Themas mal annehmen…wenns aber jemand der Wurzeln in Kärnten hat macht-umso cooler!In Kärnten-Koroška hat sich in den letzten Jahrzehnten in puncto Erinnerungskultur (gottseidank) einiges bewegt. Zwei-& Mehrsprachigkeit wird, von immer mehr KärntnerInnnen geschätzt & gelebt (das war nicht immer selbstverständlich).
      Der Podcast, vorallem diese Episode, wird auf jeden Fall weiterempfohlen. Danke-Hvala!

      1. Hey Rafael! Dank dir! Und es freut mich sehr, das zu hören. Mein Blick auf Kärnten ist inzwischen ja auch ein eher indirekter und ich kann gar nicht so genau einschätzen, wie viel sich die letzten Jahre geändert und hoffentlich verbessert hat.

    7. Ja,aber von verbissenen Slowenen(vertretern)wurde und wird das leider noch immer als Unterwerfung gesehen.Die umgänglichen(auch meine Familie war bzw.ist darunter)haben kein Problem damit.Selbstverständlich gab es auch ein paar primitive Deutschtümler die uns auch mal als „Windische“,“Zigeina“und sogar „Tschuschen“ bezeichneten und das wir hinter Bleiburg runter geschickt gehören,aber das ist wie gesagt nur eine dumme Minderheit.

      1. Servus Ralf,
        Es freut mich sehr, dass du dich ,mit der Geschichte der Kärntner Slowenen, einem Thema widmest, dem nach wie vor viel zu wenig Beachtung in Österreich geschenkt wird. Man muss endlich damit aufhören, Österreich als einen Nationalstaat zu sehen, denn das war es nie und wird es auch nie sein. Österreich ist multikulturell, worauf man stolz sein sollte und dies auch entsprechend fördern! Jedoch kapieren das viele Menschen (immer noch!) nicht und sehen alles ’nicht-Deutsche‘ als Bedrohung oder minderwertig an.
        Ich kann mich da noch gut an einen Kommentar eines Passanten während der ‚Ortstafel-Farce‘ in den 2000ern erinnern, als er gefragt wurde, wie er zum Ortstafelstreit steht: „Wir brauchen keine slowenischen Ortstafeln. Wir sind hier in Österreich und nicht in Jugoslawien unten!“ Bei so einem Kommentar möchte man einfach nur kotzen!
        Als jemand, der selbst zweisprachig aufgewachsen ist (Deutsch & Bosnisch/Kroatisch/Serbisch), kann ich solch eine Haltung absolut nicht nachvollziehen. Man kann nur davon profitieren! Wieso wehren sich viele Menschen so vehement dagegen?!
        Srđan

        1. ralfgrabuschnig

          Hallo Srđan! Dank dir und ja: Es ist wirklich ein endloses Drama. Wie viel Kärnten doch verloren hat durch die gewaltsame Unterdrückung des Slowenischen im Alltag. Jeder und jede Deutschsprachige hätte heute nur Vorteile davon, von klein an auch mit einer slawischen Sprache konfrontiert zu sein. Das schafft Verständnis, eröffnet ganz viele andere Sprachen (wie z.B. BKS) und es ist auch soweit ich weiß erwiesen, dass bilingual aufgewachsene Kinder später deutlich leichter eine dritte Sprache lernen. Vom kulturellen Verlust der Unterdrückung des Slowenischen rede ich da noch gar nicht. Das gleiche Theater spielt sich auch im Burgenland ab und in Bezug auf spätere Migrant*innen in ganz Österreich und ganz Europa.

          Wo das herkommt? Naja.. klar kann man da viele kleine Gründe für solche xenophoben Einstellungen finden. Aber letzten Endes leben wir eben in einer Welt, in der seit 200 Jahren die Nation und der Nationalstaat als Norm gilt – egal wie weit an der Realität das vorbeigehen mag. Das ist eine lange Zeit und wenn etwas so lange als „normal“ gilt, wird es irgendwann offensichtlich nicht mehr hinterfragt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.