Minstrel Shows, Blackfacing und die Geburt der amerikanischen Popkultur

Als die Vereinigten Staaten von Amerika sich im 18. Jahrhundert für unabhängig erklärten, gab es keine amerikanische Kultur. Die Oberschicht konsumierte zumeist Theaterstücke und Opern aus Europa, die Arbeiterklasse wiederum europäische Volkslieder oder andere Erinnerungen aus der „alten Heimat“. Die Geburt der US-amerikanischen Popkultur folgt erst später und man kann sogar ziemlich genau sagen wann! Sie wird zumeist in die 1830er-Jahre datiert und trägt einen Namen: Die Minstrel Show. Da stellt sich die offensichtliche Frage: Was sind Minstrel Shows, was wissen wir über ihre Entstehung und warum waren sie so einflussreich?

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Das Wort „Minstrel“ in der Minstrel Show bedeutet so viel wie „Barde“ oder „umherfahrender Künstler“. Ihren Anfang hatten diese Shows eben in den 1830ern mit einem gewissen T. D. Rice. Dieser weiße Komiker aus New York kam um diese Zeit der Überlieferung nach auf die brillante Idee, sein Gesicht schwarz anzumalen (bis heute berüchtigt als „Blackface“) und auf der Bühne afro-amerikanische Lieder von sich zu geben. Oder zumindest das, was er für afro-amerikanische Lieder hielt. Seine Auftritte waren ein sofortiger Publikumshit und der von ihm gespielte Charakter Jim Crow wurde zu einer Ikone, die noch Jahrzehnte später als Namensgeber für Gesetze zur Rassentrennung in den Südstaaten herhielt. Das gesamte 19. Jahrhundert über blieb die Minstrel Show das kulturelle Ereignis der USA und mit ihr das Blackfacing und die weiße Inanspruchnahme schwarzer amerikanischer Kultur. Ein rassistisches Vermächtnis, das bis heute fortbesteht.

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14 Gedanken zu „Minstrel Shows, Blackfacing und die Geburt der amerikanischen Popkultur“

  1. Ludwig Georg Rehle

    Hallo Ralf,
    ich denke, daß Du heute etwas überzogen hast: Country hat eindeutig Wurzeln in europäischer Musik: Irischer Folkmusik, etc. Und bei Heavy Metal wüßte ich jetzt nicht, wo da Wurzeln schwarzafrikanischer Musik sein sollten: Die kommt aus Birmingham.
    Gruß,
    Ludwig

    1. Hey Ludwig,

      Mhh, nur auf den ersten Blick würde ich sagen. Der Country hat seine Wurzeln einerseits in europäischer Volksmusik, andererseits zieht er seine Einflüsse auch deutlich aus schwarzer amerikanischer Musik. Etwa die Verwendund von Banjos insbesondere im Bluegrass fällt hier auf. Bei Metal muss man dagegen sagen, dass es ja aus dem Rock kommt. Black Sabbath und andere Pioniere des Genres bauten auf der Musik der „British Invasion“ auf, die wiederum durch den Einfluss amerikanischer Musik Ende der 50er entstand: Blues und Rock’n’Roll Musik.

  2. Ludwig Georg Rehle

    Damit sind wir dann nicht mehr weit von dem Punkt, daß – vermutlich – alle heutigen Menschen irgendwie aus Afrika kommen und Musik möglicherweise auf der Schwäbischen Alb erfunden wurde (ältestes bekanntes Musikinstrument). Insofern: Alles Schwäbischer Einfluß!!

  3. Hallo, ich fand die Folge sehr spannend und gut nachvollziehbar. Ich halte bald eine Prüfung zu dem Thema und würde gern wissen, ob es wissenschaftliche (deutschsprachige) Literatur dazu gibt?

    1. Nur zur Ergänzung: habe ein wirklich gutes Buch gefunden:
      Inszenierte Inbesitznahme: Blackface und Minstrelsy in Berlin um 1900 von Frederike Gerstner, indem auch nochmal die amerikanische Geschichte aufgearbeitet wird.
      Liebe Grüße!

  4. Sehr gut gemacht! Die detaillierte Beschreibung des Zusammenhangs zwischen afroamerikanische Volksmusik und amerikanische Popmusik is ebenso interessant wie (insbesondere heutzutage) relevant. Vielen Dank für diese Episode!

  5. Hallo Ralf,
    ich habe noch eine Frage: du sprichst ja im Podcast viel von schwarzer Kultur/ schwarzer Musik. Hier kommt für mich die Frage auf, was schwarze Kultur überhaupt ist?
    Natürlich ist schwarze Kultur, ohne historische und aktuelle Unterdrückungs- und Diskriminierungserfahrungen nicht zu denken.
    Aber auch das ist meiner Meinung nach keine Antwort auf die Frage nach den Bestimmungsmerkmalen schwarzer Kultur, denn: geteilte Diskriminierungserfahrung macht noch keine Kultur aus.
    Für mich ist jeder Versuch, Kultur ethnisch – hier also über das Wort Schwarz – zu definieren, vor dem Problem der Vereinheitlichung!
    Damit wird doch impliziert, es gibt bestimmte Gemeinsamkeiten zwischen Schwarzen aus Amerika, zwischen Schwarzen aus der Karibik und schwarzen Geschäftsleuten aus der Londoner Innenstadt von heute.
    Wer von schwarzer Kultur spricht, bezieht sich in der Regel auf Gemeinsamkeiten, für die Geschichte, Geografie und Geschlechterverhältnisse weitgehend irrelevant sind.
    Damit wird ethnische Zugehörigkeit essentialisiert, das bedeutet, es wird unterstellt, schwarze Menschen würden einzig und allein aufgrund ihrer Hautfarbe bestimmte Eigenschaften miteinander teilen.
    Was denkst du dazu?

    1. Hey! Sehr wichtiger Einwand … Vielleicht habe ich das in der Folge zu einfach in den Raum gestellt, denn du hast vollkommen recht. Natürlich gibt es eine „schwarze Kultur“ in dem allumfassenden Sinne nicht. Worauf ich mich in erster Linie beziehe, ist die Kultur der schwarzen Bevölkerung in den USA. Insbesondere im 19. Jahrhundert einte diese Bevölkerungsgruppe zu weiten Teilen die Erfahrung der Sklaverei, weshalb ich denke, dass die Zuschreibung einer gewissermaßen kohärenten Kultur hier möglich ist. Ob das sinnvoll ist, ist eine ganz andere Frage, auf die ich auch keine Antwort habe. Mir war es aber doch wichtig, den Einfluss der damaligen Sklaven und ihrer direkten Nachkommen auf die amerikanische Popkultur darzustellen – auch auf die Gefahr hin, verallgemeinernd zu werden

  6. Selbst MTV hatte noch anfangs der 1980er Probleme, Videos von schwarzen Künstlern zu spielen. David Bowie sprach damals den Moderator Mark Goodman darauf an.

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