Der Spanisch-Amerikanische Krieg: Wie die USA zur Großmacht und ihr Spread-Eagleism zur Ideologie wurden

In den letzten Wochen habe ich hier über einige Beispiele von Hurra-Patriotismus gesprochen. Von den Anfängen im Griechischen Unabhängigkeitskrieg bis zum recht kürzlichen Aufwallen alter Euphorie im britischen Falklandkrieg geschah es immer wieder. Immer wieder fanden Menschen ihre (oder im Fall der Griechen auch mal eine andere) Nation so richtig geil und mussten es dem Rest der Welt einfach zeigen. Aber natürlich ist keine Abhandlung über Patriotismus komplett, ohne die USA zu nennen! Ich meine, wie oft habt ihr schon amerikanische Touristentruppen erlebt, die laut brüllend durch die Straßen Europas zogen? “USA, USA, USA!” Als würde man sich damit irgendwelche Freunde machen… Aber irgendwo muss das ja herkommen. Und woher? Naja, zum großen Teil vom Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898! Vom amerikanischen Exceptionalism zum Spread-Eagleism Die USA waren ja immer schon etwas Besonderes. Also zumindest glauben das dort viele und auch schon im 19. Jahrhundert war dieser Glaube in den USA weit verbreitet. Man sah sich als etwas anderes als diese ganzen europäischen Staaten, die sich da so in der Welt herumtummelten. Immerhin war man ja die erste richtige demokratische Republik! Und zu so einem Selbstbild gehörten dann ein paar Dinge ganz selbstverständlich dazu. Seit den 1820er-Jahren begannen sich die USA […]

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Podcast: Valentinstag und Frauenhelden in der Geschichte

Vieles von dem, was wir heute als “romantisch” verstehen, was von modernen Männern und von modernen Frauen erwartete wird, kommt aus dem 18. und 19. Jahrhundert. In dieser ersten Episode des Déjà-vu Geschichte Podcasts geht es um zwei berühmte Frauenhelden dieser Zeit, Giacomo Casanova und Lord Byron, und warum das alles gar nicht mal so romantisch war. Hätte es damals nur schon #metoo gegeben…

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Ein bisschen billiger Patriotismus kann schon praktisch sein. Maggie Thatcher und der Falklandkrieg

Politiker haben’s nicht leicht. Ständig hat man mit irgendwelchen Problemen zu kämpfen. Von der Wirtschaftslage über  Skandale in der eigenen Partei bis hin zu Widerständen in der Opposition oder gar der Bevölkerung. Das kann einem schon mal die Laune verderben. Aber zum Glück kennt da jeder Politiker einen alten Trick. Wenn es nämlich im Inneren mal nicht so läuft und die Unterstützung im Volk flöten geht, kann eine kleine Ablenkung oft Wunder wirken. Ein Krieg zum Beispiel! Hach, nichts lenkt die Bevölkerung so schön ab wie ein kleiner Krieg. Wenn man es dann auch noch schafft, ein bisschen Hurra-Patriotismus in der Bevölkerung zu erzeugen und den Krieg zu gewinnen, kann man sich dann schon mal ein paar Jährchen zurücklehnen. So schnell wird man nämlich vom unbeliebten Regierungschef zum nationalen Idol! Um ein Paradebeispiel für diese Taktik geht es heute: Margaret Thatcher und der Falklandkrieg. Herzlich willkommen zum zweiten Teil meiner kleinen Hurra-Patriotismus Serie! (Hier geht’s übrigens zu Teil 1) Dumme Demokratie mit ihren blöden Einschränkungen Der Ablauf ist bei dieser Taktik immer der gleiche und läuft in drei Phasen ab, wie unsere liebe Maggie Thatcher eindrucksvoll zeigen wird. Alles beginnt mit den Problemen im eigenen Land, die einen unangenehmerweise vom […]

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Auswüchse des Hurra-Patriotismus. Erster Akt: Philhellenismus und die Griechische Revolution

Ideologische Dummheit gab es in der Geschichte wirklich schon in jeder erdenklichen Ausführung. Auf der Linken, auf der Rechten und überall dazwischen gab es schon die dämlichsten politischen Ideen. Und über die zu reden macht natürlich Spaß. Um eine davon soll es also auch heute wieder gehen: den Patriotismus. Oder genauer gesagt, den Hurra-Patriotismus! Einige verwandte Ideen haben wir ja schon im Artikel zu den dümmsten nationalen Mythen der Geschichte kennengelernt. Hier möchte ich mich nun etwas den praktischen Auswirkungen einer schlecht durchdachten Ideologie zuwenden. Und weil es dafür so viele Beispiele gibt, folgen in den nächsten Wochen gleich noch zwei weitere Teile der Geschichte. Es macht eben Spaß… Dumm, dümmer, Hurra-Patriotismus Nun gut, der im oben verlinkten Artikel besprochene Nationalismus ist nicht ganz das gleiche wie der Patriotismus. Da sind ja alle stolzen Patrioten immer besonders erpicht darauf, das zu erwähnen. Trotzdem gehören die zwei Ideologien aber zur gleichen Familie. Und ziemlich dämlich sind sie auch beide. Bis vor etwa zweihundert Jahren wäre ja kein Mensch auf die Idee gekommen, sich mit seinem “Volk” zu identifizieren. In der Ständegesellschaft des Mittelalters und der Neuzeit machte das schlicht keinen Sinn! Nein, nein. All das kam erst im 19. Jahrhundert so […]

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Die Suezkrise. Irgendwie läuft das mit dem Imperialismus nicht mehr so recht…

Alte Gewohnheiten kann man sich bekanntlich nur schwer abgewöhnen. Das weiß ja jeder von uns, auch wenn wir uns – so wie jetzt – zu Jahresbeginn gerne Anderes einreden. Um eine besonders liebgewonnene Gewohnheit der Europäer soll es heute gehen: den Imperialismus! Genauer gesagt um dessen spektakuläres Ende in der Suezkrise von 1956. Da wollten es Großbritannien und Frankreich nämlich nochmal wissen und fielen so richtig schön auf die Schnauze. Damit schufen sie ohne es zu wollen die Welt, wie wir sie heute kennen. Lief irgendwie nicht mehr so, die Sache mit dem europäischen Imperialismus. Dabei fing es so vielversprechend an… Großbritannien, Frankreich der europäische Imperialismus Nur zehn Jahre vor den Ereignissen der Suezkrise, am Ende des Zweiten Weltkriegs, gab es in Europa bekanntlich einen klaren Verlierer. Das letzte Aufbäumen deutscher Großmachtfantasien war letzten Endes doch noch abgewehrt worden. Auf der anderen Seite gab es auch klare Sieger: Frankreich und vor allem Großbritannien. Jahrelang hatte sich der kleine Inselstaat alleine der deutschen Übermacht entgegengestellt. Wochenlang bombardierte Hitler gar die britische Hauptstadt selbst und doch, nach sechs Jahren Krieg, war es dann Deutschland, das in Schutt und Asche lag. Großbritannien dagegen stand aufrecht, stolz und stark, wie es immer schon gewesen war. […]

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Seit wann feiert man eigentlich Weihnachten? Und warum überhaupt?

Traditionen sind ja generell etwas Merkwürdiges. Eine Anhäufung komischer Rituale, Lieder und Gewohnheiten, die man von Kindeszeiten an als normal kennenlernt und nie so recht hinterfragt. Weihnachten ist unter den vielen Traditionen, die wir so pflegen, aber natürlich eine ganz besondere. Immerhin ist es das bedeutendste Fest des Jahres! Beim näheren Hinsehen ist Weihnachten aber auch nur ein weiteres komisches Ritual. Und noch dazu ein ziemlich frei erfundenes. Jetzt mal ehrlich. Wer würde denn auch von sich aus auf die Idee kommen, in den Wald zu gehen, einen Baum zu schlagen, ihn sich ins Wohnzimmer zu stellen und mit Metallkugeln zu behängen? Das würde wohl nirgends als sozial akzeptables Hobby durchgehen.  Ähnlich verhält es sich mit der Idee, ein alter Mann mit Bart würde durch den Kamin kommen und uns Geschenke bringen. Das wäre in Realität auch mehr ein Anlass für einen Polizeibesuch als zur Freude. Bei so viel Absurdität stellt sich dann schon die Frage: Seit wann und warum feiern wir Weihnachten eigentlich so, wie wir es feiern? Von Beginn an eine komplizierte Geschichte Wie so viele eigenartige Traditionen reicht auch Weihnachten einige Zeit zurück. Wann genau man damit begann, das Weihnachtsfest zu feiern, ist allerdings unklar. Es war […]

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Was sich so tut. Histocamp, Weihnachten und ein kleines Gewinnspiel

Ah, die Weihnachtszeit ist endlich da. Da kann ich es mir ja kaum verkneifen, einen kleinen außerordentlichen Blogpost abzuliefern. Ich möchte die besinnliche Zeit (jaja, klar…) nutzen und einfach mal ein kleines Update geben, was sich hier am Blog so tut und im nächsten Jahr noch tun wird. Und wenn wir schon dabei sind gibt es auch noch ein kleines Gewinnspiel! Denn genug Weihnachtsgeschenke kann man ohnehin nie haben. Wir leben doch nicht ohne Grund in einer Konsumgesellschaft. Histocamp und Pläne für 2018 Für das nächste Jahr ist jedenfalls viel geplant. Es sollte aber erstmal erwähnt werden, wo die Motivation dafür momentan zu großen Teilen herkommt. Am ersten Adventswochenende war ich nämlich in Darmstadt zu Besuch, um am Histocamp teilzunehmen. Nein, nicht an einem Urologenkongress. Der ist wirklich alt… Das Histocamp ist ein Barcamp für alle, die mit Geschichte arbeiten, und wird vom wunderbaren Verein Open History e. V. veranstaltet. Wenn ihr euch für Geschichte interessiert (was ich bei Lesern meines Blogs doch sehr hoffe! – sonst solltet ihr jetzt dringend wegklicken) ist das auch für euch eine interessante Veranstaltung. Willkommen ist nämlich wirklich jeder, der irgendwie irgendwas mit Geschichte macht. Das kriegen wir doch hin. Was macht das Histocamp […]

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Russland ist Europa! Hätten sich die Wikinger nur etwas mehr angestrengt…

Russland und Europa haben ja nicht gerade die einfachste Beziehung. In der Schule haben wir zwar gelernt, dass alles bis zum Ural zu Europa gehört. Trotzdem fühlt es sich nicht so an, als gehörten die Russen wirklich dazu. Es gibt einfach große Unterschiede. Immerhin regiert in Russland ja seit Ewigkeiten ein oben ohne durch die Gegend reitender, mit Bären kämpfender Judomeister. Sowas würde es bei uns doch niemals geben! Wir haben hier, in Europa, zivilisierte, anzugtragende und verantwortungsvolle Politiker, die nur unser Bestes im Sinn haben. Oder so… Doch auch Russland war einmal anders. Das Land wurde ja bei weitem nicht von irgendwelchen wilden Slawen oder noch wilderen asiatischen Steppenvölkern errichtet. Nein, Russland war eine Gründung der Wikinger! Und damit steht das Land in Europa nicht gerade alleine da. Da muss es doch Gemeinsamkeiten geben! Russland, Europa und die Wikinger Die Wikinger haben heute ja einen eigenartigen Ruf. Man verbindet mit ihnen meist Hornhelme, unangemessenen Met-Konsum und einen gewissen Hang zur Gewalt. Keine sonderlich positiven Attribute, würde man denken. Da ist es umso komischer, dass die Wikinger sich extremer Beliebtheit erfreuen. Von Kinderserien wie “Wiki und die starken Männer” bis hin zu allerlei Metalbands bedienen sich heute viele bei den […]

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Die drei dämlichsten nationalen Meistererzählungen der Geschichte

Nationen. Sie sind wohl die dümmste Erfindung, auf die die Menschheit je kam. Oder zumindest stehen sie doch auf einer Ebene mit Schwarzpulver und Autos. So eine Nation erhält sich aber natürlich nicht von selbst. Man muss dem eigenen Volk auch regelmäßig einreden, dass es immer noch zur Nation gehört! Hier kommt die sogenannte Meistererzählung ins Spiel. Eine Herkunftsgeschichte, die uns erklären soll, warum wir eigentlich zusammengehören und wie wir hinkamen, wo wir heute sind. Und so negativ die Auswirkungen des Nationswahns auch sind, bleibt uns zumindest eines: über diese Meistererzählungen zu lachen. Denn viele von ihnen sind wirklich unfassbar lächerlich. Hier sind meine Top 3 der dämlichsten nationalen Meistererzählungen der Geschichte. Meistererzählung I | Ungarn und der Turul Die ungarische Legende des Turul ist wohl die behämmertste nationale Geschichte von allen. Und noch besser: Sie ist zentral zum ungarischen Nationsverständnis! Da macht es gleich doppelt so viel Spaß, sich darüber lustig zu machen. Der Turul ist in der ungarischen Meistererzählung ein großer adlerähnlicher Greifvogel. Wer mal in Ungarn war, hat vielleicht sogar schon die ein oder andere Turul-Statue gesehen. Die Ungarn bauen diese nämlich gern am Autobahnrand auf, dass man sie auch als Außenstehender ja gut sehen kann. Aber […]

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Die Anti-Corn Law League: als Freihandel noch revolutionär war

“Freihandel, oh Schreck!” So geht es heute vielen. Es ist ja auch modern, gegen Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA zu sein. Das hat so etwas Rebellisches an sich. Man lehnt sich gegen das System auf, nimmt eine kritische Haltung ein und so weiter. Das hat schon was. Aber: Auch der Freihandel war mal radikal und sogar revolutionär! Es gab in der Geschichte nämlich Zeiten, da liefen NGOs nicht Sturm gegen irgendwelche Freihandels-Deals. Sie kämpften für diese! Um eine dieser “NGOs” soll es heute gehen: die englische Anti-Corn Law League. Freihandel und Liberalismus: die kleinen Anfänge Wenn man über Entwicklungen des 19. Jahrhunderts redet, ist ja meistens von Großbritannien die Rede. Ist auch klar. Wir reden hier über die Blütezeit des britischen Empires! Damals kontrollierte diese kleine Insel immerhin ein Viertel der Welt. Man erfand im Alleingang die Industrialisierung und so ganz nebenbei, und zögerlich, auch den Wirtschaftsliberalismus. Die Folgen davon sind heute überall. Liberalismus und Freihandel sind zu Grundpfeilern der westlichen Welt geworden. Revoluzzer wird man dementsprechend, indem man sich dagegen auflehnt. Oder man wird einfach Punk, kauft sich um 10 Uhr morgens eine Dose Bier und stellt sich zum Bahnhof… Aber gut. Unterstellen wir mal, die lehnen sich auch […]

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