Ein imaginiertes Gemälde von Osman I., dem Gründer des Osmanischen Reichs.

Das Osmanische Reich, das fast nicht hätte sein sollen

Wenn man heute an das Osmanische Reich denkt, hat man erst mal seinen Untergang vor Augen. Man denkt da an den “kranken Mann am Bosporus” des 19. Jahrhunderts, an den verlorenen Ersten Weltkrieg und schließlich an die Machtübernahme Atatürks und somit das Ende des Reiches. Und davor? Auch darauf findet man relativ schnell eine Antwort. Davor war das Osmanische Reich eine asiatisch-europäische Großmacht und eine Bedrohung für das christliche Europa. Das ist eine Tatsache, die gewisse Rechts-Außen-Parteien in Wien ja noch heute predigen. Wo dieses Reich aber herkam, das da im 16. und 17. Jahrhundert gleich zwei Mal die stolze Stadt Wien bedrohte, das ist weniger bekannt.

Die Entstehung des Osmanischen Reiches

Als die Osmanen zum ersten Mal auf der Bildfläche der Geschichte erscheinen, tun sie das in den Quellen jenes Staates, der die anatolische Halbinsel auch im Mittelalter noch fast durchgehend dominierte: das Byzantinische Reich. Das geschah so in den ersten Jahren des 14. Jahrhunderts. Und was war der Grund, dass byzantinische Schreiber es für nötig erachteten, die Osmanen in ihren Dokumenten zu erwähnen? Ganz einfach. Dieser Stamm hatte sie 1302 in einer ersten größeren Schlacht besiegt. Keine allzu guten Aussichten für das so stolze oströmische Reich …

Ein Einzelfall waren die Osmanen zu dem Zeitpunkt allerdings nicht. Das 14. Jahrhundert war in der Region generell von einem Machtvakuum geprägt. Die traditionelle Großmacht, eben das Byzantinische Reich, war seit spätestens 1204 schwer angeschlagen. Da wurde deren Hauptstadt Konstantinopel ausgerechnet von den Venezianern und einem von ihnen transportierten Kreuzfahrerheer geplündert. Venedig war mit der Bezahlung für diesen Kreuzzug, der eigentlich nach Ägypten hätte führen sollen, unzufrieden. Da bot sich die wohlhabende Stadt am Bosporus wohl einfach an. Nur ein paar Jahrzehnte später zogen auch noch die Mongolen über die anatolische Halbinsel. Dabei zerstörten sie die andere Regionalmacht, die der Rum-Seldschuken. Nachdem aber auch die Mongolen nach kurzer Zeit keine direkte Kontrolle mehr über die Halbinsel ausübten, ergaben sich für die zahlreichen nomadischen und halbnomadischen Turkstämme der Region einige Gestaltungsspielräume.

So auch für die Osmanen. Sie waren aber immer noch nur ein Stamm unter vielen. Denn überall in Anatolien entstanden im 13. Jahrhundert Staatsgebilde, die dem der Osmanen sehr ähnlich waren. Diese Gebilde nannten sich Beyliks und sie waren kleine bis mittelgroße Fürstentümer meist unter der Kontrolle von turkstämmigen Warlords. Und wie es auch im Europa des Mittelalters gang und gäbe war, standen diese Fürstentümer im ständigen Konflikt miteinander und mit allen anderen um sich herum. Das Osmanische Beylik, benannt nach seinem ersten Herrscher Osman, war seit seiner offiziellen Gründung 1299 also wirklich nur eines von vielen. Dennoch würde es die anderen Fürstentümer bald hinter sich lassen.

Von der Gründung zum Großreich

Schon ihr ursprüngliches Siedlungsgebiet brachte die Osmanen fast zwangsläufig auf Kollisionskurs mit den Machthabern von Byzanz. Sie siedelten (sofern man das Wort bei ihrer zumindest halbnomadischen Lebensweise zu der Zeit benutzen kann) nämlich ganz in der Nähe der imperialen Hauptstadt Konstantinopel. Nicht mal eine Tagesreise südöstlich der Stadt waren die Osmanen da anzutreffen. Aber sie bewegten sich auch noch zielstrebig in Richtung Nordwesten weiter, immer näher an die Byzantiner heran. Warum das junge Beylik unter der Herrschaft Osmans ausgerechnet in Richtung Konstantinopel zog, ist in der Forschung umstritten. Ideologische Gründe wurden immer wieder genannt (aka sie wollten den bösen Christen mal so richtig auf den Schädel hauen). Wahrscheinlicher ist aber, dass sie schlicht auf der Suche nach gutem Weideland waren.

Mit Bursa fiel im Jahr 1326 die erste bedeutendere Stadt an das im Entstehen begriffene Osmanische Reich. Nur fünfundzwanzig Jahre später überquerten die Osmanen unter den Sultansnachfolgern Orhan und Murad aber auch schon den Bosporus und etablierten sich damit auf dem europäischen Kontinent. Bis zum Ende des Reiches würden die Besitztümer auf der Balkanhalbinsel als osmanische Kernländer betrachtet werden, was deren langsamen Verlust im 19. Jahrhundert umso schmerzhafter machte. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts ging es dann auch den christlichen Königreichen im nördlichen Balkan an den Kragen. Zuerst wurde Bulgarien militärisch geschlagen, dann in der berühmten Schlacht auf dem Amselfeld Serbien und Bosnien, auch wenn die Schlacht selbst als Unentschieden gelten kann. In ihrem Verlauf starb immerhin auch Sultan Murad. Das Unentschieden wäre aber fast von einer vollkommenen Niederlage gefolgt worden. Unter Murads Nachfolger Bayezid wäre das gesamte Reich nämlich beinahe zur Gänze wieder verloren gegangen. Die Geschichte des Osmanischen Reiches könnte hier schon vorbei sein.

Timur, ein äußerst unangenehmer Nachbar

Auf der anderen Seite des Reiches braute sich nämlich schon seit längerem eine neue Gefahr auf. Ein letzter großer Mongolenherrscher, ein Mann namens Timur, machte gehörig auf sich aufmerksam. Um ihn geht es deshalb auch in der aktuellen Podcast-Episode. Innerhalb von nur drei Jahrzehnten vollbrachte dieser Timur wahrlich Unfassbares. Aus dem hintersten Nest Zentralasien kommend, einer Region namens Transoxanien im heutigen Usbekistan, beherrschte er bald den gesamten Nahen Osten bis an den Kaukasus, das Mittelmeer und im Süden sogar bis nach Dehli. Anfang des 15. Jahrhunderts fasste er schließlich ein gewisses Osmanisches Reich im Westen ins Auge.

Im Jahr 1402 kam es zur Entscheidungsschlacht zwischen den beiden Mächten bei Ankara. Je nach Überlieferung waren die Truppen Timurs denen des osmanischen Sultans Bayezid dabei um das fünf- bis siebenfache überlegen. Numerisch gesehen zumindest. Die Tatsache, dass in den osmanischen Reihen auch zahlreiche mongolischstämmige Krieger kämpften, die bald nach Kampfbeginn hurtig die Seiten wechselten, half sicher auch nicht. Die Schlacht endete somit einigermaßen erwartungsgemäß. Die Osmanen erlitten eine brutale Niederlage und Sultan Bayezid wurde sogar von Timurs Truppen festgenommen! Er starb wenige Monate später in Haft.

Hätte Timur es an dieser Stelle darauf angelegt, hätte er dem noch jugnen Osmanischen Staat wahrscheinlich den Garaus machen können. Es gab sogar Gespräche mit europäischen Mächten, die dabei sicher gern behilflich gewesen wären. Stattdessen setzte Timur aber die drei Söhne Bayezids als Verwalter ein und zog sich nach Osten zurück. Er starb nur drei Jahre später, der Legende nach als Folge eines mehrtägigen Saufgelages. Nach seinem Tod wandten sich die drei Söhne Bayezids erstmal einander zu (nicht im liebevollen Sinne) bis mit Mehmed nach zehn Jahren ein neuer Sultan aus den Kämpfen hervorging. Nochmal vierzig Jahre später war das Osmanische Reich wieder eine veritable Großmacht geworden. Im Jahr 1453 fiel Konstantinopel.


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Claus Seidel

wie immer flott und locker geschrieben. ich hätte aber gerne ein wenig kartenmaterial gesehen. auch überraschte mich das ende des Berichts mit dem fall Konstantinopels 1453…da ging es doch noch locker weiter und da hätte ich gerne auch noch was erfahren. das osmanische reich überdauerte 650 jahre.

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U_J

Es ist im Falle Timurs ja schon erstaunlich, dass wieder einmal einer dieser ungepflegten und disziplinlosen Barbaren Opfer einer Überstrapazierung seines Verdauungstraktes geworden sein soll. Das hatten wir doch schon mal: “Attila der Hunnenkönig aß zu viel und sch* zu wenig. Drum starb er nicht im Kampfe, sondern annem Magenkrampfe.” Die lernen es aber auch nie, diese Reitervölker….

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