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Terror in Südtirol

  • 30. Mai 202229. Mai 2022

Das Land Tirol reichte zu Zeiten der österreichischen Monarchie von Kufstein im Norden bis kurz vor den Gardasee im Süden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde ein Teil dieses Landes – nun Südtirol genannt – aber vom neu entstehenden Staat Österreich abgetrennt und der Siegermacht Italien zugeschlagen. Aus einem Teil eines österreichischen Kronlandes wurde die einfache italienische Provinz Bozen. Dieser Teil der Geschichte Tirols und Südtirols ist bis heute ein Thema und es gibt noch immer Menschen, die Südtirol gerne wieder in Österreich sehen würden. Heute sind diese aber doch deutlich in der Minderheit und die allerwenigsten Südtiroler:innen wünschen sich eine solche politische Veränderung. Vor 50 Jahren sah die Geschichte aber noch ein klein wenig anders aus …

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In der heutigen Folge des Podcast soll es um die gewalttätige Geschichte Südtirols im 20. Jahrhundert gehen. In den späten 1950er-Jahren gründete sich da nämlich der „Befreiungsausschuss Südtirol“ (BAS) und begann bald damit, das Land mit Terror zu überziehen. Die erste Welle dieser Attentate gipfelte im Sommer 1961 in der sogenannten Feuernacht, in der BAS-Aktivist:innen um die Stadt Bozen in Massen Strommasten in die Luft sprengten. In den Jahren darauf radikalisierte sich die Bewegung immer weiter. Insgesamt starben so mindestens 21 Menschen – von Seiten der italienischen Staatsmacht kam es sogar zu Folterungen. Ein Ende kam erst auf politischem Weg durch das Südtirol-Paket von 1972 in Sicht, das der Region Autonomie innerhalb Italiens brachte. Diesen blutigen Prozess möchte ich mir heute genauer anschauen – und zwar mit Franziska und Amrei von „Darfs ein bisserl Mord sein“!

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Quellen

6 Gedanken zu „Terror in Südtirol“

  1. Ludwig Georg Rehle

    Moin!
    Bin so ca. 1985 durch Frankenfeste gewandert … an einem Sonntag an dem dort eine „deutsche Hochzeit“ war: Der ganze Ort war mit der Reichskriegsfahne dekoriert …
    Ach ja: Und ich hab davon auch schon vorher gehört: Vorgeschichte II.WW und das Verhältnis Mussolini & Hitler.
    => Ansiedlung: Nach dem II.WW hat Adenauer katholische Vertriebene gezielt in protestantischen Gegenden angesiedelt.
    Man sieht, das passiert immer wieder.
    Gruß,
    Ludwig

    1. ralfgrabuschnig

      Oh Gott … ich hoffe doch trotzdem sehr, dass das eine grausige Ausnahme war.

      Und danke für die Ergänzung mit Adenauer. So war mir das nicht bekannt. Gibt es dazu gute Quellen? Zu ihm passen würde es ja …

  2. Ich fand den Podcast sehr interessant, die Geschichte Südtirols der letzten 100+x Jahre, ist definitiv ein spannendes Thema. Aber ich habe ein paar Anmerkungen:
    Sehr gewundert hat mich Eure Vermutung, dass die Bezeichnung „Bumser“ für die Terroristen nichts mit „bumsen“ zu tun haben soll. Tirol ist das Land des Alt-Männer-Witzes und die Anerkennung für die jungen Terroristen kommt doch bei der Bezeichnung als „Bumser“ wunderbar heraus. Und natürlich war (und ist) der „Südtiroler Freiheitskampf“ vorwiegend eine Männersache.
    Eure Sympathie für diesen Kampf, teile ich überhaupt nicht. Sie gipfelte im Podcast in der Frage, ob sich der Terror vielleicht letztlich doch gelohnt haben könnte. (Wobei Ihr einfach unterschlagt, dass die Terroristen ihre Ziele ja ganz eindeutig nicht erreicht haben). Ihr habt danit schon eine sehr deutsch(österreichische) Sicht eingenommen. Ja, der italienische Staat war (und ist) auch nach dem Faschismus eine ziemlich widerliche Geschichte. Polizeigewalt, Folter, staatliche Terroranschläge, Gladio etc., das alles gab es übrigens nicht nur in Südtirol sondern in ganz Italien. Aber das macht die Gegner ja noch nicht besser, schon gar nicht diese Gegner. Sicher wolltet ihr Euch eigentlich nicht mit den (auch österreichischen und deutschen) Neonazis gemein machen, die an diesem Kampf entscheidend beteiligt waren. Interessanterweise blieben die bekannten österreichischen BAS-Kämpfer im Podcast unerwähnt.
    Aber meine eigentliche Frage ist, wieso ihr die Ziele der BAS so positiv aufgenommen habt? Ein nationales Programm, gegen die „Überfremdung“, und um nix besser als das italienische Gegenstück. Ich sehe da keine „Guten“ in dem Konflikt, niemand, dem ich auch nur irgendwie entfernt die Daumen halten würde. Wo sollen die auch herkommen, in der einzigen Provinz Norditaliens, in der es keine Partisanen gab, die im Krieg gegen Nazis und Faschisten gekämpft hätten. Nichts als Nationalismus auf beiden Seiten.
    Ciao
    Pippo

    1. ralfgrabuschnig

      Hey Pippo!

      Danke für deine Gedanken! Glaubst du, da ist ein Zusammenhang mit den „Bumsern“? Das mit der Männersache und dem „Altherrenwitz“ stimmt zwar sicher alles, aber mir kam das dann doch unwahrscheinlich vor, rein sprachlich. Was den zweiten Punkt angeht: Die Frage nach dem „lohnen“ war schon grundsätzlich gedacht und wird auch in der Forschung gestellt. Hatte der Terrorismus eine positive, negative oder gar keine nennenswerte Auswirkung auf das Autonomiepaket? Das ist für mich keine moralische Frage oder Wertung.

      Dass du das mit den Sympathien so wahrgenommen hast, schockiert mich tatsächlich. Das war nicht meine Intention und entspricht auch nicht meiner (und ich denke unserer) Einstellung. Wir haben diese Aussagen vor allem im Kontext der Folterungen getroffen bzw. als wir über die diskriminierende Gesetzgebung gesprochen haben. Dass die Gegenseite nicht gerade besser war und dass da am Ende natürlich Nationalismus gegen Nationalismus stand, ist für mich selbstverständlich und das hast du gut auf den Punkt gebracht.

  3. Solch Vergleiche sind zwar an sich Unsinnig, aber der Italienische Staat hätte mal mit dieser Enegie gegen die Mafia vorgehen sollen…

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