Die Hohenzollern und ihre halbgare Enteignung

Das Haus Hohenzollern ist auch im 21. Jahrhundert immer wieder in den Medien. Und zum Schock aller Beteiligten nicht mit positiven Nachrichten! Die alte Kaiserdynastie schickt sich nämlich seit Jahrzehnten an, Teile ihres Vermögens vom deutschen Staat zurückzufordern. Und mit „ihr“ Vermögen meine ich natürlich das Vermögen ihrer ehemaligen Untertanen – gearbeitet hat die Familie bekanntlich ja nie. In diesem Streit um eine etwaige Entschädigung der Hohenzollern oder gar eine Rückgabe ihrer Burgen und Schlösser geht es aber um mehr als die verrosteten Allmachtfantasien einer eigenartigen Familie. Es geht dabei auch um deutsche Geschichte und die merkwürdige Art, wie mit dem deutschen Adel in der Vergangenheit umgegangen wurde. Vor allem geht es aber um die halbgare Enteignung der Hohenzollern seit der Flucht von Kaiser Wilhelm nach dem Ersten Weltkrieg und warum die uns noch immer Probleme macht.

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Um all das gebührend zu diskutieren, habe ich heute nach langer Zeit wieder Andreas Moser zu Gast – seines Zeichens Jurist, Vagabund und Adelsversteher. Gemeinsam dröseln wir das schwierige Erbe der Hohenzollern auf und sprechen über die abstrusen Forderungen, wie sie heute wieder aus der Familie um Georg Friedrich Prinz von Preußen kommen. Wir sprechen dabei aber auch über die rechtlich nicht ganz unbedeutende Frage, ob die Hohenzollern in der Zwischenkriegszeit dem Nationalsozialismus und der NSDAP „erheblich Vorschub geleistet“ haben. Weil wir aber gerade auch so schön zusammensaßen, haben wir bei der Gelegenheit auch gleich das Fass „Hohenzollern vs. Habsburger“ aufgemacht und da mal ein paar Unterschiede ausgearbeitet. Kurz: Es wird wild, absurd und rechtlich schwierig.

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19 Gedanken zu „Die Hohenzollern und ihre halbgare Enteignung“

          1. Ach stimmt! Irgendwie neigen einige Mitglieder alter Fürstenhäuser dazu, ihre eigene Beliebtheit im Volk leicht zu überschätzen.

        1. Wow – ich mag diese Podcastreihe sehr, aber diese Folge ist ja erschreckend plakativ und auf eine Art und Weise vereinfachend, dass man nicht mehr von Geschichte reden kann…schon im 19. Jahrhundert entstand die Trennung privater und staatlicher Güter in den Fürstenstaaten – die Münchener Residenz war kein Privateigentum der Könige z.B., ebenso wie auch das Bundeskanzleramt nicht Angela Merkel gehört; ein Satz wie „gearbeitet hat die Familie bekanntlich ja nie“ ist aller berechtigten Kritik und Skepsis bei dem Thema weit weg von einer seriösen Betrachtung der Geschichte. Sehr sehr schade…

          1. Von zwei Jungs, die nur podcasten und schreiben, muss das mit der mangelnden ehrlichen Arbeit ja gar nicht unbedingt als Kritik gemeint sein. 😉

            Aber die Trennung zwischen Familien- und Staatsvermögen war alles andere als klar. Sonst hätten die Fürstenhäuser und die Länder bzw. das Deutsche Reich nicht jahrelang verhandeln müssen. Wenn man sich die Einigungen ansieht (zB https://wiki.hhu.de/download/attachments/217022972/Vertrag%20Verm%C3%B6gensauseinandersetzung%201926.pdf für die Einigung zwischen Preußen und den Hohenzollern), dann sieht man, dass die Familie durchaus Grundstücke eingesackt hat, die eindeutig öffentlichen Zwecken dienten, wie Kirchen oder Offizierserholungsheimen).
            Am deutlichsten wird das beim Archiv. Man würde denken, königlicher Schriftverkehr gehört in die staatliche Sphäre. Aber nein, da blieben die Fürstenhäuser hart, und der Staat konnte nur eine Mitverwaltung heraushandeln. Das gleiche passierte übrigens auch bei den Wittelsbachern in Bayern, die noch immer die Daumen auf den Archivalien halten (siehe Kapitel 178 meiner Abhandlung über die Wittelsbacher und die Revolution in Bayern: https://andreas-moser.blog/2020/10/30/klw-tag-9-neuschwanstein/ ). Die Aufteilung der Schlösser dort war übrigens genauso arbiträr. Neuschwanstein und Hohenschwangau liegen ein paar Meter nebeneinander, beides waren Sommererholungschlösser, aber eines wurde dem Freistaat Bayern zugeschlagen, das andere dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds (siehe zu den Hintergründen Kapitel 125 dieser Schlösserbesichtigung: https://andreas-moser.blog/2020/10/23/klw-tag-8-hohenschwangau/ ).

        2. Ohne jetzt den Adel verteidigen zu wollen: die Lösung der Sowjetunion als Vorbild zu erwähnen ist völlig daneben und geht gar nicht.

        3. Danke für die Einladung, für die Käsekrainer und dafür, dass du dich um alles Technische gekümmert hast!
          Wenn die Folge beim revolutionären Volk auf Zustimmung stösst, so hoffe ich auf eine dritte Kooperationsfolge in einem oder zwei Jahren. Falls uns bis dahin noch immer niemand die uns nach Kompetenz und Eloquenz, Humor und Ausstrahlung eigentlich zustehende Fernsehsendung angeboten hat…

        4. Die sowjetische Lösung ernsthaft vorzuschlagen ist ein absolutes No-Go. War grundsätzlich eine sehr interessante Folge, aber beim Gast tropfte halt die Ideologie aus jedem Satz. Und nein, ich bin auch kein Fan des Adels.

          1. Moin!
            Leider nix inhaltlich neues. Das habe ich idT bereits nahezu identisch gelesen. Wenn ich mich recht erinnere war das ein Spiegel-Artikel vor einiger Zeit.

            Und ja, daß ist alles nicht einfach. Aber die Kultur des Ausgleiches – der halbgaren Lösungen – hat der BRD über Jahrzehnte nicht geschadet: Weniger und weniger harte Arbeitskämpfe, wie z.B. in Frankreich … Kurzarbeitergeld … etc. Da muß man dann halt auch hinnehmen, daß in einem demokratischen Rechtsstaat jemand versucht sein „Recht“ einzuklagen. Ob das von der Mehrheit als solches empfunden wird oder nicht. Und auch diese Sichtweisen können sich ja ändern. Vielleicht solltest Du mal eine Folge über die sogenannte „Frauenfrage“ der 60er-Jahre machen und wie das Bundesverfassungsgericht „überraschend“ entschieden hat. Stichwort: Pater familias.

            Was ich schwierig finde ist, daß sozusagen im ersten Satz das Erschießungskomando der Bolschewisten als „Lösung“ propagiert wird. Ohne jede – wie auch immer legitimierte – Gerichtsverhandlung werden da einfach Menschen – auch Kinder – hingerichtet.

            1. Hallo! Es muss ja zum Glück nicht immer der Anspruch sein, komplett Neues zu liefern. Aber ja: Bezüglich der Kultur des Ausgleiches hast du natürlich recht – wir waren da auch absichtlich plakativ

            2. Die bolschewistische Herangehensweise war auch weniger als Vorschlag, der ja sowieso zu spät käme, gedacht, denn als Erklärung für die verzwickte Lage in Bezug auf das Fürstenvermögen in Deutschland im Vergleich beispielsweise zu Russland. (Wobei Russland und später die Sowjetunion durch die Bolschewisten einen Haufen anderer Probleme aufgehalst bekamen.)

              Vielleicht wäre eine Verbannung ein guter Mittelweg gewesen. So wie es Italien nach 1946 mit seinem Königshaus praktizierte. Aber dummerweise hatte Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg alle Kolonien verloren, in die man verbannen hätte können. Das Bismarck-Archipel hätte sich dafür eigentlich angeboten.

              Weniger als die Eigentumsklagen haben jedoch die Einschüchterungsversuche gegenüber Medien und Wissenschaft mit dem demokratischen Rechtsstaat zu tun. Zwischen 80 und 100 Klagen, Abmahnungen und Unterlassungsaufforderungen gegen Presse, Professoren und sogar politische Parteien, da scheint doch noch eine gewisse Großmannssucht zu sprechen, die es gar nicht fassen kann, dass nicht das ganze Volk kollektiv den Hut zieht und huldigt.

          2. Hallo Ralf,
            das war wieder mal ein sehr spannender und unterhaltsamer Podcast.
            Sehr viele Dinge, von denen ich bis heute nichts wusste, sehr interessant.
            Große Klasse, mach weiter so!!!
            Lieben Gruß
            Peter

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