Klimakatastrophen gab es schon früher, sagen "Klimaleugner" gerne. Wollen wir doch mal sehen.

Klimakatastrophen damals und heute

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Die von allen Seiten propagierte Globale Erwärmung und all die prophezeiten Klimakatastrophen um sie herum… das ist doch nichts Neues! Kommt dir der Satz bekannt vor? Leider hört man dieses und ähnliche “Argumente” ja nach wie vor viel zu häufig. Die sogenannten “Klimaleugner” wollen es eben besser wissen als wir! Wenn es nach ihnen geht, ist die Erderwärmung von heute doch gar keine Ausnahme. Es gab Veränderungen im Klima über die letzten Jahrmillionen immer wieder und die Ursachen waren dabei noch nie menschgemacht. Ergo müssen wir uns auch über die Folgen der heutigen Erwärmung keinerlei Sorgen machen. Das blöde Klima wird sich schon wieder einpendeln.

Diese “Argumente” sind natürlich vollkommener Unsinn. Die Situation von heute kann mit der Vergangenheit in Wirklichkeit gar nicht mehr verglichen werden. Ohne die massenhafte Emission von CO2 in die Atmosphäre durch uns Menschen könnten wir die heutigen Durchschnittstemperaturen auf der Erde noch nicht mal berechnen. Sie sind nicht nur ein Faktor für den Klimawandel, sie sind der alles bestimmende Faktor. Das soll aber nicht heißen, dass es nicht auch schon zu früheren Zeiten Klimakatastrophen gegeben hätte. Die gab es, doch meist gingen sie in die andere Richtung und kühlten unseren Planeten ab. Hier also ein Best-of – oder vielmehr ein Worst-of – der Klimakatastrophen der Erdgeschichte.

Die Wetteranomalie von 535

Ich habe auf dem Podcast schon vor langem über die großen Entwicklungen der Klimageschichte und den Klimawandel gesprochen. Ebenfalls habe ich in dieser Episode über den Einfluss des Klimas auf die Menschheitsgeschichte geredet. Ein zentrales Thema war für mich damals der Übergang von einem Klimaoptimum, in das die Expansion des Römischen Reiches fiel, in ein Klimapessivum der Zeit danach. Heute möchte darauf aufbauend etwas konkreter über Klimakatastrophen in den letzten zwei Jahrtausenden sprechen. Beginnen wir mit einer Katastrophe, die direkt mit dem genannten Pessivum zusammenhängt: die sogenannte Wetteranomalie von 535 und 536. Wir wissen bis heute nicht, was genau damals passiert ist. Aber sowohl in westlichen Quellen aus dem Byzantinischen Reich wie auch in chinesischen Berichten der Zeit finden wir Hinweise auf eine Katastrophe und es scheint wirklich dramatisch zugegangen zu sein.

In diesem Jahr 535 kam es auf der ganzen Welt zu einer Abkühlung des Klimas, wie man sie zu damaligen Lebzeiten noch nicht gesehen hatte. In Europa berichten die Gelehrten sogar von Schnee im Sommer. Und das im Mittelmeerraum! Über Jahre hinweg soll die Sonne so schwach gewesen sein, wie sonst nur das Mondlicht und die Auswirkungen waren verheerend. Es kam verbreitet zu Ernteausfällen und Hungersnöten und man kann zumindest vermuten, dass auch Teile der Wanderbewegungen der Zeit (die sogenannte “Völkerwanderung”) eine Reaktion auf diese klimatischen Veränderungen waren. In Konstantinopel brach just in der Zeit dann auch noch die Pest aus. Man kann also schon sagen: Die Folgen waren für die Menschen mehr als nur ein bisschen spürbar, obwohl wir nicht wissen, wie stark sich das Klima damals wirklich abgekühlt hat. Es dürften aber nicht mehr als 1 bis 2 Grad gewesen sein.

Die Auslöser der Klimakatastrophe von damals werden in der Wissenschaft bis heute diskutiert. Eine Möglichkeit ist der Einschlag eines großen Himmelskörpers auf die Erde und es gibt auch Indizien, dass sich ein solcher Einschlag nahe Australien ereignet haben könnte. Eine alternative These geht dagegen von mehreren Vulkanausbrüchen oder dem Ausbruch eines Supervulkans aus. So oder so wäre das Ergebnis ähnlich gewesen. Schwefel gelangte in die Atmosphäre, bildete dort Schwefelsäure und das wiederum führte zum Kühlungseffekt. Möglich ist nach heutigem Forschungsstand aber auch eine Kombination aus beidem, ein Vulkanausbruch und ein Meteoriteneinschlag. Manchmal hat man eben einfach Pech! Das Klima blieb als Folge jedenfalls über hundert Jahre hinweg kühler als sonst. Wie die Menschen damit umgangen? Nun … nicht so gut.

Klimakatastrophen und Vulkanausbrüche

Es wäre im Jahr 535 jedenfalls nicht das erste Mal gewesen, dass Vulkanausbrüche zu bedrohlichen Klimakatastrophen geführt hätten. Für die meisten Phasen der Abkühlung in der jüngeren Erdgeschichte ist vulkanische Aktivität verantwortlich und sogar die ganz großen Klimaveränderungen über Jahrmillionen hinweg können teils mit dem Einfluss von Vulkanen erklärt werden. Da ist es nicht überraschend, dass Vulkanausbrüche auch in den letzten paar Jahrhunderten regelmäßig zu Katastrophen geführt haben. Ein paar Beispiele stechen besonders hervor:

Der Ausbruch des Samalas 1257

Im Jahr 1257 brach zum Beispiel der indonesische Vulkan Samalas aus. Das ist generell scheinbar eine Grundregel. Alle vernichtenden Vulkanausbrüche ereigneten sich im heutigen Indonesien. Die Eruption des Samalas damals war gigantisch und man kann dort noch heute den daraus entstandenen Kratersee bewundern. Für das Weltklima hatte der Ausbruch ähnlich katastrophale Folgen wie für die Menschen vor Ort. Es handelt sich dabei immerhin um den stärksten Vulkanausbruch der letzten 2000 Jahre und die Menge an ausgeschleudertem Schwefel war entsprechend enorm. Global könnten die Temperaturen infolge des Ausbruchs um bis zu 2 Grad Celsius abgekühlt sein, was auch bis zu zehn Jahre lang so blieb. Man kann sogar ein Wachstum der Gletscher in aller Welt mit diesem Ausbruch in Verbindung setzen, so deutlich war die Abkühlung! Allerorts waren die Folgen erneut Ernteausfälle, verregnete Sommer und schwächere Sonneneinstrahlung. Sogar eine Hungersnot in London könnte direkt mit dem Ausbruch des Samalas in Verbindung stehen.

Das Jahr ohne Sommer 1816

Aber wenden wir uns einer Zeit der Geschichte zu, in der die Menschen schon mehr über Vulkanausbrüche wussten, die Welt näher zusammengewachsen war und damit auch unser Wissen präziser wird. Im Jahr 1815 brach in Indonesien (wo sonst?) der Tambora aus. Es war erneut eine so enorme Eruption, dass allein vor Ort zehntausend Menschen sofort starben. In den weiter entfernten Regionen der Erde zeigten sich die Folgen aber erst im Jahr darauf so richtig. In Europa ging das Jahr 1816 gar als “Jahr ohne Sommer” in die Geschichte ein und die Folgen könnten dir inzwischen bekannt vorkommen: Ernteausfälle, Hungersnöte, gesellschaftliche Instabilität. Sogar die Niederlage Napoleons in Waterloo könnte mit dem Ausbruch in Indonesien in Verbindung stehen. Er kam wegen Schlechtwetter nämlich langsamer voran als geplant. Aber alles hat auch seine guten Seiten. Die Sonnenuntergänge waren in Europa damals traumhaft schön. Ein Beispiel sieht man im Bild zu diesem Blogartikel, gemalt von William Turner in Wales.

Der Ausbruch des Krakatau 1883

Ein noch viel besser beschriebener und erforschter Vulkanausbruch ist aber der des indonesischen ( … ) Krakatau im Jahr 1883. Der ist übrigens auch ein (Achtung Wortwitz) heißer Kandidat für den Auslöser der Wetteranomalie von 535, als er zuletzt im großen Stil ausgebrochen sein soll. Nun befinden wir uns aber in spätkolonialer Zeit und natürlich waren die Kolonialherren Indonesiens in den Niederlanden, aber auch Wissenschaftler anderswo, ganz erpicht darauf, diesen Ausbruch akribisch genau zu beschreiben. Sogar die beim Ausbruch entstandene Flutwelle konnte man noch in Europa messen! Stolze zwei Zentimeter registrierte man etwa im Ärmelkanal. Diese armen Europäer aber auch … Die Abkühlung war diesmal weniger radikal und spielte sich weltweit zumeist unter einem Grad ab. Trotzdem wurde der Krakatau in der westlichen Wissenschaft zum Referenzwert erhoben und bildet seitdem die Basis für einen Trübungsindex der Erdatmosphäre.

Auch ein paar Grad machen einen Unterschied

Man könnte eine solche Liste fast ewig fortsetzen. In der oben schon genannten Podcast-Episode spreche ich zum Beispiel auch noch über die Kleine Eiszeit, die in Europa vom 15. bis ins 19. Jahrhundert für merkliche Abkühlung und somit – du ahnst es sicher schon – Ernteausfälle, Hungersnöte und Instabilität sorgte. Die Durchschnittstemperaturen lagen in dem Zeitraum bis zu zwei Grad unter der Wärmezeit, die das Mittelalter davor gekennzeichnet hatte. Es gibt noch zig andere Beispiele, aber egal, wie viele der Klimakatastrophen der Vergangenheit man nun aufzählt, eines sollte doch sehr deutlich sein: Ein paar wenige Grad Temperaturunterschied machen uns Menschen schon das Leben schwer (oder beenden dieses gleich).

In den letzten 200 Jahren seit der Industriellen Revolution nahmen die Durchschnittstemperaturen übrigens schon um gut einen Grad zu. Wir haben heute nicht mehr mit Kältephasen zu kämpfen. Dank unserem massenhaften Ausstoß von Kohlendioxid wird es langsam sogar ziemlich warm auf unserem Planeten. Im Pariser Klimaabkommen verpflichteten sich die verantwortlichen Staaten der Welt (und für kurze Zeit auch die USA) nun also, diese Erwärmung zumindest auf 2 Grad zu beschränken. 2 Grad … So ein Temperaturwechsel kostete in der Vergangenheit schon Hunderttausenden von Menschen das Leben. Aber es ist in Wirklichkeit noch viel schlimmer, auch wenn die “Klimaleugner” noch so dagegen wüten … Über diesen menschgemachten Treibhauseffekt spreche ich diese Woche daher auf dem Podcast. Aber eine Warnung: Es geht nicht gerade hoffnungsvoll zu.

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U_J

Hm. Ich kann mich Deinen Ausführungen nur bedingt anschließen. Dass wir Menschen durch unser Handeln das Klima beeinflussen können, bestreite ich nicht. Schon heute haben Metropolen wie Shanghai oder Mexico-City ihr eigenes Wetter. Klima ist ja bekanntlich nichts anderes als Wetter über einen längeren Zeitraum (mind. 20 Jahre) gesehen. Der These, dass der Mensch durch übermäßigen CO2-Ausstoß alleiniger Verursacher des Klimawandels sei, kann ich jedoch nicht zustimmen. Zum Einen zeigst Du in deinem Text ja schön auf, wie allein schon große Vulkanausbrüche mit den Unmengen an Asche und Feinstaub, die sie in die Atmosphäre pusten, das Weltklima beeinflussen können. Das… Weiterlesen

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Timo

Hallo Ralf,

Robert Dull vertritt ja die These, dass es der Ausbruch des Ilopango (El Salvador) war, der im 6 Jh. diese Abkühlung des Klimas brachte:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ilopango_(Berg)

Interessant ist, dass du nicht den Laki-Ausbruch (Island) von 1783/1784 erwähnst, der in Island und Europa viele Leben gekostet hat und dann auch die Französische Revolution mit ausgelöst haben soll, weil die Ernteausfälle durch den Ausbruch erst die Brotpreise in Frankreich so in die Höhe getrieben haben sollen…

https://de.wikipedia.org/wiki/Winter_1783/84

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