Russland ist Europa! Hätten sich die Wikinger nur etwas mehr angestrengt…

Russland und Europa haben ja nicht gerade die einfachste Beziehung. In der Schule haben wir zwar gelernt, dass alles bis zum Ural zu Europa gehört. Trotzdem fühlt es sich nicht so an, als gehörten die Russen wirklich dazu. Es gibt einfach große Unterschiede. Immerhin regiert in Russland ja seit Ewigkeiten ein oben ohne durch die Gegend reitender, mit Bären kämpfender Judomeister. Sowas würde es bei uns doch niemals geben! Wir haben hier, in Europa, zivilisierte, anzugtragende und verantwortungsvolle Politiker, die nur unser Bestes im Sinn haben. Oder so… Doch auch Russland war einmal anders. Das Land wurde ja bei weitem nicht von irgendwelchen wilden Slawen oder noch wilderen asiatischen Steppenvölkern errichtet. Nein, Russland war eine Gründung der Wikinger! Und damit steht das Land in Europa nicht gerade alleine da. Da muss es doch Gemeinsamkeiten geben! Russland, Europa und die Wikinger Die Wikinger haben heute ja einen eigenartigen Ruf. Man verbindet mit ihnen meist Hornhelme, unangemessenen Met-Konsum und einen gewissen Hang zur Gewalt. Keine sonderlich positiven Attribute, würde man denken. Da ist es umso komischer, dass die Wikinger sich extremer Beliebtheit erfreuen. Von Kinderserien wie „Wiki und die starken Männer“ bis hin zu allerlei Metalbands bedienen sich heute viele bei den […]

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Die drei dämlichsten nationalen Meistererzählungen der Geschichte

Nationen. Sie sind wohl die dümmste Erfindung, auf die die Menschheit je kam. Oder zumindest stehen sie doch auf einer Ebene mit Schwarzpulver und Autos. So eine Nation erhält sich aber natürlich nicht von selbst. Man muss dem eigenen Volk auch regelmäßig einreden, dass es immer noch zur Nation gehört! Hier kommt die sogenannte Meistererzählung ins Spiel. Eine Herkunftsgeschichte, die uns erklären soll, warum wir eigentlich zusammengehören und wie wir hinkamen, wo wir heute sind. Und so negativ die Auswirkungen des Nationswahns auch sind, bleibt uns zumindest eines: über diese Meistererzählungen zu lachen. Denn viele von ihnen sind wirklich unfassbar lächerlich. Hier sind meine Top 3 der dämlichsten nationalen Meistererzählungen der Geschichte. Meistererzählung I | Ungarn und der Turul Die ungarische Legende des Turul ist wohl die behämmertste nationale Geschichte von allen. Und noch besser: Sie ist zentral zum ungarischen Nationsverständnis! Da macht es gleich doppelt so viel Spaß, sich darüber lustig zu machen. Der Turul ist in der ungarischen Meistererzählung ein großer adlerähnlicher Greifvogel. Wer mal in Ungarn war, hat vielleicht sogar schon die ein oder andere Turul-Statue gesehen. Die Ungarn bauen diese nämlich gern am Autobahnrand auf, dass man sie auch als Außenstehender ja gut sehen kann. Aber […]

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Die Anti-Corn Law League: als Freihandel noch revolutionär war

„Freihandel, oh Schreck!“ So geht es heute vielen. Es ist ja auch modern, gegen Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA zu sein. Das hat so etwas Rebellisches an sich. Man lehnt sich gegen das System auf, nimmt eine kritische Haltung ein und so weiter. Das hat schon was. Aber: Auch der Freihandel war mal radikal und sogar revolutionär! Es gab in der Geschichte nämlich Zeiten, da liefen NGOs nicht Sturm gegen irgendwelche Freihandels-Deals. Sie kämpften für diese! Um eine dieser „NGOs“ soll es heute gehen: die englische Anti-Corn Law League. Freihandel und Liberalismus: die kleinen Anfänge Wenn man über Entwicklungen des 19. Jahrhunderts redet, ist ja meistens von Großbritannien die Rede. Ist auch klar. Wir reden hier über die Blütezeit des britischen Empires! Damals kontrollierte diese kleine Insel immerhin ein Viertel der Welt. Man erfand im Alleingang die Industrialisierung und so ganz nebenbei, und zögerlich, auch den Wirtschaftsliberalismus. Die Folgen davon sind heute überall. Liberalismus und Freihandel sind zu Grundpfeilern der westlichen Welt geworden. Revoluzzer wird man dementsprechend, indem man sich dagegen auflehnt. Oder man wird einfach Punk, kauft sich um 10 Uhr morgens eine Dose Bier und stellt sich zum Bahnhof… Aber gut. Unterstellen wir mal, die lehnen sich auch […]

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Joseph Kyselak: als ein Taugenichts aus dem Biedermeier die Graffiti erfand

Kunst ist ja bekanntlich Ansichtssache. Was für den einen eine wahre Meisterleistung ist, ist für den anderen nur das nutzlose Gekritzel irgendeines betrunkenen Vollidioten. Und wenn wir ganz ehrlich sind: oft ist es das auch. In der Welt der Street Art und Graffiti ist dieses Problem ganz besonders ausgeprägt. Nichts erzürnt einen gestandenen Street Artist mehr, als wenn sein Werk von irgendeinem dahergelaufenen Sprayer verunstaltet wird. Ganz besonders wenn dem nichts Besseres einfällt, als einfach seinen Namen über das Bild zu sprayen, sich also billig zu taggen. Aber die Künstler sollten das nicht so eng sehen. Auch das Taggen blickt auf eine stolze Tradition zurück! Darf ich vorstellen: Joseph Kyselak, der erste Tagger der Geschichte und Graffiti Meister der Biedermeier Zeit. Joseph Kyselak: ein geborener Versager? Also wer war dieser Joseph Kyselak und was hat er mit Graffiti am Hut? Furchtbar viel ist über ihn nicht bekannt. Er wurde wohl irgendwann Ende des 18. Jahrhunderts in Wien geboren. So ganz sicher ist man sich bei seinem genauen Geburtsjahr nicht, es war aber sicher keine allzu tolle Zeit für eine sorgenfreie Kindheit. Gute zehn Jahre vor der Geburt des kleinen Joseph war ja in Frankreich die Revolution ausgebrochen, bald zog ganz […]

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Die Glorreiche Revolution: dann wäre das Problem ja gelöst

Revolutionen können ja vieles sein. Blutig oder friedlich, nötig oder unnötig. Was eine bestimmte Revolution dann genau ist, hängt natürlich immer von der Sichtweise ab. Heute möchte ich aber über eine ganz andere Revolution sprechen: die Glorreiche Revolution Englands im Jahr 1688. Und auch wenn man den Briten ja gerne unterstellt, so ziemlich alles gleich als glorreich, legendär und gar mythisch hinzustellen, hat dieses Wort hier schon seine Berechtigung. Die Glorious Revolution, wie man sie im Englischen kennt, war eine wirklich glorreiche. Naja, zumindest wenn man davon absieht, dass man einen Holländer einladen musste, um im eigenen Land für Ordnung zu sorgen. Die heutigen Brexit Anhänger müssten sich eigentlich grün und blau ärgern. Das englische Problem mit dem Katholizismus Wie so vieles in der englischen Geschichte, hat die Glorreiche Revolution alles mit Religion zu tun. Das Thema Religion und Religionsausübung ist ja einer der faszinierendsten Widersprüche in dem Land. Einem Land, in dem heute gefühlt jede zweite Kirche in einen Nachtclub, Supermarkt oder Sikh-Tempel umgebaut wurde. Denn was England heute ist, hat seine Wurzeln zu großen Teilen in den Glaubensstreitigkeiten früherer Zeiten. Die Periode, in der diese Streitigkeiten wohl am intensivsten ausgetragen wurden, war das 17. Jahrhundert. Die Ereignisse, die […]

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Mystery Blogger Award

Da wurde ich doch glatt für einen Blogger Award nominiert. Na sowas! Vielen Dank an der Stelle an Lisa von der quâtspreche für die Nominierung! Die Sache läuft jetzt so ab: als Teil der Nominierung erzähle ich erst mal drei interessante Dinge über mich selbst. Ich weiß, darauf hat hier sicher jeder gewartet… Lisa hat dann fünf Fragen gestellt, die ich beantworte. Anschließend darf ich noch meine fünf liebsten Blogposts verlinken, bevor es an meine eigenen Nominierungen und meine fünf Fragen an diese geht. Drei Dinge über mich 1 | Ich bin tatsächlich „klassisch“ ausgebildeter Historiker. Ich versuche nur, das so gut wie möglich zu verstecken. Die meisten Menschen verbinden mit Geschichte immer noch trockene Materie mit vielen Jahreszahlen. Und leider haben viele Erfahrungen meiner Studienzeit genau das bestätigt. Dabei kann Geschichte doch so spannend sein, wenn man es nur richtig angeht. Das ist dann auch der Grund, warum ich diesen Blog überhaupt gestartet habe. 2 | Ich bin heimlicher Autor. Dieses Jahr habe ich es tatsächlich über mich gebracht, mit dem Schreiben meines ersten Buchs zu beginnen! Und noch viel überraschender: es läuft bisher ziemlich gut. Zu viele Spoilers will ich hier aber natürlich nicht preisgeben also seid mal gespannt, […]

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Von unschmeichelhaften Beinamen, zerfallenden Reichen und haarigen Katalanen

Das 9. Jahrhundert war schon eine seltsame Zeit. Europa lag wieder mal im Umbruch. Das legendäre Frankenreich Karls des Großen stand vor seinem Ende. Wikinger machten die Meere unsicher. Was aber fast noch mehr auffällt als die politischen Umwälzungen der Zeit, ist wie dumm die Herrscher damals eigentlich benannt waren. Mir PR-Wirkung hatte man es damals offensichtlich noch nicht so. Tauchen wir also ein in eine Welt von Kahlen, Stammelnden, Dicken, Haarigen und schlichtweg Einfältigen. Auf dieser Reise werden wir ganz nebenbei noch erfahren, wie Katalonien zum ersten Mal in seiner Geschichte die Unabhängigkeit erlangte und vielleicht – nur ganz vielleicht – sogar etwas über die Welt von heute lernen. Das Jahr 843 – als der Traum des Römischen Weltreichs endgültig starb. So wie 476, 480, 1453… Wie gesagt, das 9. Jahrhundert war eine Zeit des Umbruchs. Dabei sah es an der Wende zu diesem Jahrhundert noch vielversprechend aus für Europa. Karl der Große konnte weite Teile des ehemaligen Römischen Reichs unter seiner Herrschaft vereinen, ein großer Traum der damaligen Zeit, vor allem unter der kirchlichen Elite. Im Jahr 800 wurde Karl sogar zum ersten Kaiser seit dem Fall Roms gekrönt! Die tragische Geschichte des römischen Niedergangs schien damit endlich […]

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Das Darien-Projekt: als der Kolonialismus Schottland ruinierte

Im September 2014 stimmte Schottland darüber ab, ob sich das Land von Großbritannien loslösen und wieder ein selbstständiger Staat werden sollte. Bekanntlich war die Mehrheit der Befragten in diesem Referendum dagegen, dennoch ist die schottische Union mit England heute alles andere als in Stein gemeißelt. Wenn man genau hinschaut, war sie das aber eigentlich noch nie. Es war nämlich nicht gerade so, dass die Schotten den Act of Union, der die Königreiche England und Schottland im Jahr 1707 miteinander vereinte, sonderlich gefeiert hätten. Vielmehr war die Vereinigung aus schottischer Not entstanden. Und diese Not ist ohne eine ganz bestimmte Geschichte nicht zu verstehen: dem Scheitern des schottischen Kolonialismus im Darien-Projekt. Die letzten Jahre des unabhängigen Staates Schottland Als der Act of Union 1707 das Vereinigte Königreich schuf, waren England und Schottland schon seit über hundert Jahren in einer Personalunion miteinander verbunden. Anfang des vorigen Jahrhunderts hatte die schottische Stuart-Dynastie den englischen Thron beerbt, den sie seither einigermaßen miserabel managte. Die Stuarts waren dabei so unfähig und unbeliebt, dass sie in nur hundert Jahren gleich zwei Revolutionen gegen sich provozierten. In den 1640ern wurde König Karl I. von den Truppen Oliver Cromwells erstmal von der Insel gejagt. Als nach zehn Jahren […]

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Das niederländische Tulpenfieber von 1637. Die Geschichte einer äußerst dummen Wirtschaftskrise

Wir schreiben das Jahr 1637. Mitteleuropa befindet sich mitten im Dreißigjährigen Krieg, der blutigsten Auseinandersetzung, die der Kontinent lange gesehen hat. Nicht weit fernab des Geschehens liegen die Niederlande. Grund genug, sich zu fürchten, würde man meinen. Aber wer das denkt, kennt die Niederländer schlecht! Die hatten nämlich mitten in diesem Chaos nichts Besseres zu tun, als Blumen zu züchten und wild mit ihnen zu spekulieren. Dieses Tulpenfieber sollte sich zur ersten gut dokumentierten Wirtschaftskrise der Welt entwickeln. Und zu einer ziemlich dummen noch dazu. Grund genug, sie sich näher anzuschauen! (Mit dem gerade erschienen Film „Tulpenfieber“ mit Christoph Waltz hat das natürlich rein gar nichts zu tun. Aber wenn mich da jemand sponsern will: immer her damit!) Die Niederlande im Goldenen Zeitalter Dass die Niederländer überhaupt Zeit hatten, sich mit Tulpen zu befassen, ist eigentlich schon die erste Überraschung. Im frühen 17. Jahrhundert war die frisch ausgerufene Republik der Vereinigten Niederlande immer noch in ihrem Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien. Das war – wie man sich denken kann – eine recht zeitraubende Sache. Ganze 80 Jahre sollte dieser Krieg dauern, bis die Unabhängigkeit 1648 endlich anerkannt wurde. Trotz dieses kleinen Problemchens und einiger anderen „Herausforderungen“ (wie etwa einer ausgewachsenen Pestepidemie) gilt das […]

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Stephan Báthory und die Mär von zwei guten Freunden

Polak, Węgier — dwa bratanki, i do szabli, i do szklanki, oba zuchy, oba żwawi, niech im Pan Bóg błogosławi. Lengyel, magyar – két jó barát, Együtt harcol s issza borát, Vitéz s bátor mindkettője, Áldás szálljon mindkettőre. Pole, Ungar – zwei gute Freunde, zusammen kämpfen sie und trinken Wein, beide tapfer, beide mutig,  Segen sei mit ihnen.   Eine eigenartige Freundschaft Dieses alte Gedicht formt die Basis einer eigenartigen Freundschaft. Fragt man nämlich in Ungarn Leute auf der Straße, welches Land denn ihr wichtigster Verbündeter sei, bekommt man fast immer dieselbe Antwort: Polen. Jahrhundertelang waren sie Nachbarn und Partner, nie hätten sie Krieg geführt. Geschichte, Tradition und Kultur verbinden sie. Und so weiter und so fort. So weit die Geschichte. In Polen ist die Lage wie man hört nicht viel anders und wenn man sich die beiden Länder heute so ansieht, scheinen sie sich tatsächlich näher denn je. Aber woher kommt das? In einer Sache sind sich scheinbar alle einig: die Freundschaft zwischen Polen und Ungarn ist alt, zeitlos sozusagen. Das oben zitierte Gedicht geht angeblich sogar bis ins Mittelalter zurück. Damals, im 14. Jahrhundert, regierte für eine Zeit lang der ungarische König Ludwig I. beide Länder in Personalunion. […]

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