Seit wann feiert man eigentlich Weihnachten? Und warum überhaupt?

Modernes Weihnachten. Der Adventskalender "Im Lande des Christkinds" aus dem Jahr 1903.
Der Adventskalender „Im Lande des Christkinds“ aus 1903. Eine der vielen Erfindungen von Weihnachten

Traditionen sind ja generell etwas Merkwürdiges. Eine Anhäufung komischer Rituale, Lieder und Gewohnheiten, die man von Kindeszeiten an als normal kennenlernt und nie so recht hinterfragt. Weihnachten ist unter den vielen Traditionen, die wir so pflegen, aber natürlich eine ganz besondere. Immerhin ist es das bedeutendste Fest des Jahres! Beim näheren Hinsehen ist Weihnachten aber auch nur ein weiteres komisches Ritual. Und noch dazu ein ziemlich frei erfundenes.

Jetzt mal ehrlich. Wer würde denn auch von sich aus auf die Idee kommen, in den Wald zu gehen, einen Baum zu schlagen, ihn sich ins Wohnzimmer zu stellen und mit Metallkugeln zu behängen? Das würde wohl nirgends als sozial akzeptables Hobby durchgehen.  Ähnlich verhält es sich mit der Idee, ein alter Mann mit Bart würde durch den Kamin kommen und uns Geschenke bringen. Das wäre in Realität auch mehr ein Anlass für einen Polizeibesuch als zur Freude. Bei so viel Absurdität stellt sich dann schon die Frage: Seit wann und warum feiern wir Weihnachten eigentlich so, wie wir es feiern?

Von Beginn an eine komplizierte Geschichte

Wie so viele eigenartige Traditionen reicht auch Weihnachten einige Zeit zurück. Wann genau man damit begann, das Weihnachtsfest zu feiern, ist allerdings unklar. Es war natürlich nicht so, dass die Leute direkt nach der Geburt Jesus Christus damit begonnen hätten, diese jährlich zu begehen. Das wäre auch etwas unpassend gewesen. Das Weihnachtsfest wäre die nächsten gut dreißig Jahre lang ja schlicht Jesus‘ Geburtstag gewesen. Und was heute gilt, galt auch vor 2000 Jahren schon: Niemand will zu Weihnachten Geburtstag haben. Die Eltern behaupten zwar vehement, es gäbe doppelt so viele Geschenke. Wir wissen aber alle, dass das eine verdammte Lüge ist!

Direkt im Jahr 0 (oder eben 1) damit zu beginnen, die Geburt Jesus Christus zu feiern, wäre aber auch praktisch schwierig geworden. Erstmal gab es da ja noch keine Christen. Dafür musste der gute Jesus schon erst noch ein bisschen arbeiten! Obendrein wurde der reale Jesus wohl ohnehin schon gegen 4 oder gar 7 vor Christus geboren. Und wenn die Leute damals nicht mal das Jahr seiner Geburt richtig einschätzen konnten, wie sollten sie dann erst wissen, dass er genau am 25. Dezember geboren wurde? Tja, das ist es ja. Sie wussten es eben nicht. Und wir wissen es noch heute nicht.

Seit wann feiert man Weihnachten überhaupt?

Die ersten Christen feierten Weihnachten also erstmal gar nicht, so viel kann man schon sagen. Aber wann begannen wir dann damit? Diese Frage ist gar nicht mal so leicht zu beantworten. Sicher ist nur, dass die frühen Christen wohl ab dem 2. oder 3. Jahrhundert, langsam begannen, der Geburt Jesu zu gedenken. Als Datum kam da aber erst mal vieles in Frage. Die Frühlingstagundnachtgleiche (danke für dieses Wortmonster, deutsche Sprache) war etwa ein heißer Kandidat. Das wäre so um den 21. März gewesen. Von Mai bis Januar gab es aber alle möglichen Vorschläge.

Erst im 4. Jahrhundert setzte sich dann langsam der späte Dezember durch. Für die genauen Gründe gibt es da unterschiedliche Ansichten. Die Nähe zur Wintersonnenwende spielt sicher eine große Rolle und laut dem julianischen Kalender fällt die eben auf den 25. Dezember. Geholfen hat sicher auch, dass viele Römer diesen Tag sowieso schon als Geburtstag des Gottes Mithras feierten. Wie dem auch sei. Seit dieser Zeit steht der 25. Dezember als Geburtstag Jesu fest. Streng genommen feiern wir Weihnachten also seit dem 4. Jahrhundert. Das ist ja doch mehr als nur ein komisches Ritual. Es ist eine mächtig stolze Tradition!

Aber seit wann feiert man Weihnachten jetzt so richtig?

Na, na, na, nicht so schnell! Das Problem dabei: Das Weihnachten von 300-dazumal hat mit unserem heutigen Fest so gut wie gar nichts zu tun. Damals war die Feier nicht mehr als ein Festgottesdienst. Und seien wir uns mal ehrlich: Wäre Weihnachten heute noch nur ein Gottesdienst, würden wir uns wirklich so dafür interessieren? Eben. Zum Weihnachten, wie wir es heute kennen, fehlt noch einiges. Die heutigen Traditionen kamen erst sehr langsam und über viele Jahrhunderte hinweg dazu. Genau genommen tun sie es sogar immer noch.

Fangen wir beim Weihnachtsbaum an. So zentral der Baum für das heutige Fest ist: Vor dem 17. Jahrhundert hätte der durchschnittliche europäische Stadtbewohner einem den Vogel gezeigt, hätte man ihn nach dem Standort des örtlichen beleuchteten Baums gefragt. Nein, in der Form, wie wir ihn kennen, kam der Weihnachtsbaum erst ziemlich spät auf. Es war überhaupt erst im 18. Jahrhundert, dass der Brauch wirklich populär wurde.

Das war dabei übrigens eine rein deutsche Erfindung und außerhalb der deutschen Lande ziemlich unbekannt. Gut, es gab überall in Europa schon länger den Brauch, Äste und immergrüne Pflanzen im Winter zuhause aufzuhängen. Von einem Zweig zu einem mit Metall beladenen Baum ist es dann aber doch noch ein Stück. Nochmal hundert Jahre später schaffte es der Baum dann von Deutschland aus nach Großbritannien, damit ins Empire und über einige Umwege schließlich in die USA. In der Hinsicht kann man sich als Deutscher also mal so richtig auf die Schulter klopfen. Toll gemacht! Irgendjemand grob in unserer Gegend der Welt hat vor Hunderten von Jahren einen Baum aus dem Wald gezerrt und aufgestellt. Gute Leistung!

O, du deutsche Weihnachten

Der deutsche Einfluss auf Weihnachten hört hier aber nicht auf. Auch der Weihnachtsmann kommt ja aus Deutschland! Also gut, offiziell aus Lappland oder dem Nordpol oder sonstwo. Dass die Amerikaner auf der europäischen Landkarte nicht sonderlich zielsicher sind, wissen wir ja. Die Idee des  Weihnachtsmanns selbst ist aber jedenfalls deutsch! Er ist schlicht eine Abwandlung des alten Nikolo und den hat man in Deutschland schon lange verehrt, bevor Weihnachten überhaupt ein Ding war. Auch die Kinder wurden dabei schon beschenkt, übrigens. Das ist also nicht ganz neu.

Es war erst Martin Luther, der dem Nikolo dann den Garaus machen wollte. Ihm war die Verehrung eines Heiligen ja schlicht ein Graus. Der Heilige Nikolaus war doch nur so ein dahergelaufener katholischer Bischof! Die Kinder sollten lieber was Anständiges anbeten und nun eben zu Weihnachten Geschenke bekommen. Und zwar von Jesus persönlich, vom Christkind! Ironischerweise setzte sich der neue Termin Luthers zwar durch, ausgerechnet die meisten protestantischen Länder schafften das Christkind irgendwann aber wieder ab und gingen zum Weihnachtsmann über. Nikolo 2.0 wenn man so will. Blöd gelaufen, lieber Martin.

Eine frei erfundene Geschichte. Wie alle guten Geschichten

Und so setzt sich das mit Weihnachten und seinen erfundenen Traditionen fort. Im 19. Jahrhundert kamen noch Kinkerlitzchen wie der Adventskranz und Adventskalender dazu. Auch die ersten bekannteren Weihnachtslieder machten da die Runde. Die meisten Weihnachtslieder, die man heute so im Radio hört, kamen aber überhaupt erst in den 1940ern und 50ern auf, zumindest die englischen. Lustigerweise wurden die zu großen Teilen von jüdischen Komponisten geschrieben, die sich für Weihnachten wohl eher nicht so sonderlich interessierten. Tja, und damit sind wir auch schon im heute. Nur über den Konsumwahn habe ich noch nichts gesagt. Der ist aber jedenfalls auch nicht ganz aus dem 1. Jahrhundert nach Christus, so viel sei verraten.

Alles erstunken und erlogen also! Aber das Schöne daran: An Traditionen muss man genauso wenig glauben, wie an das Christkind, den Weihnachtsmann oder Jesus Christus selbst. Man kann ihre schönen Seiten auch einfach so genießen. Was immer ihr diese Weihnachten also macht, ob ihr euch in der Kirche den Arsch abfriert, euch am Adventskranz die Finger verbrennt oder euch auf der Suche nach einem Baum des Landfriedensbruchs schuldig macht: Frohe Weihnachten wünsche ich euch allen!


Wenn ihr in dieser ach so besinnlichen Weihnachtszeit doch noch etwas Zeit findet und dringend was zum Lesen sucht, könnt ihr euch hier ja noch durchlesen, warum ihr generell mehr Zeit auf diesem Blog verbringen solltet. Über Anmeldungen im Newsletter freue ich mich natürlich auch immer. Seht als doch als Weihnachtsgeschenk an mich! Und wenn ihr jetzt wirklich noch mehr zu dem Thema wissen wollt (das nächste Weihnachten kommt ja bestimmt), hier noch ein Buchvorschlag. Beim Kauf gehen wie immer auch ein paar Cent an diesen Blog. Ist doch auch schön und im Weihnachtsgeist. So, jetzt ist’s aber genug. Wir lesen uns im nächsten Jahr!

 

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