Darstellung eines der Hexenprozesse der Frühen Neuzeit. Hier aus Derenburg/Sachsen-Anhalt.

Hexenprozesse: Woher kamen sie und wie liefen sie ab?

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Dieser Artikel über die Hexenprozesse ist ein Auszug aus meinem neuen Buch “Fake News von Gestern. Irre Verschwörungstheorien aus der Geschichte”

Der Hexenglaube und die aus ihm folgenden Hexenprozesse sind ein Mythos, der in der Geschichte seinesgleichen sucht. In seiner Zeit und seinem Raum wurde er von so breiten Teilen der Bevölkerung geglaubt wurde, dass am Ende zigtausende unschuldige Menschen ihr Leben lassen mussten. Als Hexenprozesse im Europa der Frühen Neuzeit aufkamen, waren sie ein völlig neues Phänomen. Dabei ist der Glaube an Magie in der Menschheitsgeschichte deutlich älter. Die Menschen haben seit frühester Zeit an überirdische Mächte geglaubt, an Dinge, die jenseits unseres Verständnisses sind. In Babylonien, in Ägypten, in Rom, überall gab es solchen Magieglauben, der sich in Form von Religionen und Aberglauben festgesetzt hat. Die christliche Kirche war in ihrer Frühzeit eigentlich eine seltene Ausnahme dieser Regel, auch wenn man das heute kaum noch glauben mag. Die frühe Kirche sah den Glauben an Magie, den Glauben an Hexen und Zauberer nämlich als Aberglaube an, der der christlichen Lehre in ihrem Kern widersprach. Das änderte sich aber mit den Jahren. Zur Zeit der Hexenprozesse schaute die Sache schon wieder ganz anders aus.

Also wann genau entstand dieser Hexenglaube der Neuzeit, wie wir ihn uns heute noch vorstellen? Das lässt sich wie gesagt (und das ist in der Geschichte gar nicht mal so häufig) sowohl zeitlich wie räumlich recht eindeutig einordnen. Geografisch kam es in erster Linie im Heiligen Römischen Reich, also unter anderem im heutigen Deutschland und Österreich, in der Schweiz, in Skandinavien und in geringerem Ausmaß in England und in den späteren Vereinigten Staaten, also damals in den englischen Kolonien Nordamerikas, zu Hexenverfolgungen. In Süd- und Osteuropa kamen diese dagegen so gut wie gar nicht vor. Zeitlich ist das Phänomen auch recht klar beschränkt auf circa 300 Jahre, von 1450 bis 1750, also mehr oder weniger die gesamte Zeit, die wir als Frühe Neuzeit bezeichnen. Ein Höhepunkt waren dabei die hundert Jahre zwischen 1550 und 1650. Vor dieser Zeit gab es zwar wie gesagt bereits weitverbreiteten Magieglauben, aber der Glaube an Hexen in der heute noch bekannten Form war neu. Es war bis ins 14. Jahrhundert absolut nicht klar, was genau eine Hexe sein sollte und sogar das Wort Hexe geht nicht viel weiter zurück als in diese Zeit. Die Grundlage für das, was dann den Hexenglauben ausmachen und zu den Hexenprozessen führen würde, wurde dennoch schon im Mittelalter gelegt. Denn der Hexenglaube geht im Kern auf die Idee des Pakts mit dem Teufel zurück.

Den Teufel an die Wand malen

Dieser Teufelspakt – die Idee, dass einzelne Personen ein Abkommen mit dem Teufel schließen konnten, wodurch sie sich übermenschliche Vorteile erkauften – kam erst einige Jahrhunderte zuvor auf. Im 13. Jahrhundert präzisierte der große Kirchengelehrte Thomas von Aquin diese Vorstellungen und ergänzte bei der Gelegenheit auch, was eine Hexe oder einen Zauberer abseits des Teufelspaktes noch ausmachte. Er schrieb als erster einflussreicher Autor nieder, was genau gegeben sein musste, damit jemand als eine Hexe oder ein Zauberer galt. Er nannte hier zum Beispiel die Tierverwandlung, das Fliegen, das Wettermachen, also die Veränderung des Wetters, und die Ausübung von Schadenszaubern. Vieles davon kommt dir wahrscheinlich bekannt vor: Es ist das heute noch bekannte Bild von Hexen. Noch eine Sache sieht man aber an der Geschichte: Wie abergläubisch ein Kirchengelehrter wie dieser Thomas von Aquin zu dieser Zeit bereits war. Von den Einstellungen des Frühchristentums und seiner Ablehnung des Magieglaubens sind wir also schon meilenweit entfernt. Aber die Frage stellt sich trotzdem. Warum kommt die Hexenverfolgung nicht schon im Mittelalter auf? Warum erst einige Jahrhunderte später? Ganz genau kann man auch das natürlich nicht sagen, aber man kann davon ausgehen, dass die Idee der Hexenprozesse ihre Grundlage nicht nur in theoretischen Vorstellungen von Gelehrten haben. Auch die Lebensbedingungen der Menschen haben einen enormen Einfluss darauf, ob so ein Glaube um sich greifen kann. Und diese wurden kontinuierlich schlechter.

Im 15. Jahrhundert beginnt in Mitteleuropa nämlich etwas, was man heute die „kleine Eiszeit“ nennt. Das war eine mehrere Jahrhunderte dauernde Wetterphase, in der es unüblich kalt war mit feuchten und kühlen Sommern und außergewöhnlich harten Wintern. Die Folge waren Ernteausfälle und weitverbreitete Hungersnöte. Eine Theorie ist nun, dass Menschen Schuldige für ihr alltägliches Leid suchten und diese Schuldigen schließlich in Hexen und Zauberern fanden. Teile der Kirche sprangen auf diesen Trend zwar auf, aber im Großen und Ganzen ging die Hexenverfolgung in der Folge fast immer von der jeweiligen Dorf- oder Stadtbevölkerung aus. Die Bewegung kam also von unten und wurde nicht – wie oft behauptet wird – von der Kirche oder der Inquisition gelenkt. Trotzdem war die katholische Kirche nicht unbeteiligt an dem, was nun folgte. Es gab einen direkten Bezug von den Hexenverfolgungen zur Kirche und dieser Bezug hat sogar einen Namen: Heinrich Kramer.

Er war von der Kirche als Inquisitor in Süddeutschland eingesetzt worden, um dort die Verfolgung von Ketzern voranzutreiben, verbiss sich im Zuge dessen aber in die Hexen. Neben der von der Kirche geförderten Ketzerverfolgung forcierte er also auch die Hexenverfolgung. In den 1480er-Jahren schrieb Heinrich Kramer dann ein Buch, das den allergrößten Einfluss auf die folgenden Hexenprozesse haben würde: den Hexenhammer, im Originaltitel (deutlich weniger pompös) „Malleus Maleficarum“. Darin schrieb Kramer nicht nur erneut nieder, was eine Hexe ausmacht und wie man sie überführen konnte, sondern vor allem auch, wie man sie dann zu bestrafen hatte. In einer Zeit, in der der Buchdruck gerade seinen Siegeszug antrat, wurde der Hexenhammer zu einem der ersten Bestseller der Menschheitsgeschichte. Er wurde erst knapp ein halbes Jahrhundert später von Luthers Bibelübersetzung abgelöst. Aber was genau schrieb Kramer in diesem Buch? Im Grunde ganz einfach: Dass der Teufel persönlich hinter der Hexerei steckt und damit das Ende der Welt einläuten will. Warum das aber so ein Problem für Kramer war, verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Eigentlich war die christliche Kirche zu der Zeit doch ziemlich geil auf das Ende der Zeiten. Es gibt ja heute noch genügend Gruppierungen, die nur darauf warten … Aber gut: Für Kramer war das Ende der Welt offensichtlich eine Bedrohung, der man entgegentreten musste. Und mit dem Hexenhammer zeigte er der Welt, wie genau sie das tun konnte. Den Hexenjagden stand nichts mehr im Wege.

Wie liefen Hexenprozesse ab?

Der Ablauf eines Hexenprozesses war in den nächsten Jahrhunderten immer recht ähnlich. Die Vorwürfe der Hexerei kamen zumeist aus der örtlichen Gemeinschaft selbst. Und wenn man irgendetwas über Gruppendynamik weiß, kann man sich schon vorstellen, wer tendenziell die Opfer waren: Jene Leute, die unangepasst lebten und sich nicht genau so verhielten wie die restliche Gemeinschaft. Kurz gesagt: die Schwächsten der Gesellschaft. Auf diese ersten Verdächtigungen, die oft über Jahre hinweg durch das Dorf oder die Stadt kursierten, folgte dann irgendwann eine Anzeige. Die kam entweder direkt aus der Gerüchteküche oder oft auch durch Nennung anderer Beschuldigter. Beschuldigte nannten also im Zuge ihrer Folterung willkürlich Namen von „Mitverschwörern“, die angeblich mit ihnen am Plot der Hexen und des Teufels arbeiteten. Oft nannten sie natürlich Namen, die ohnehin schon zirkulierten. Das war am glaubwürdigsten.

Im Prozess selbst kamen dann meist eine Handvoll Hexentests zur Anwendung. Was man aber oft in amerikanischen Filmen sieht, dass eine Hexe mit einem Besen bewaffnet über eine Klippe gejagt wird, gehörte nicht dazu. Stattdessen nutzte man zum Beispiel die Feuerprobe. Dabei musste der oder die Beschuldigte ein glühend heißes Stück Metall anfassen, und wenn die Person Verbrennungen davontrug, war sie eine Hexe. Denn einen Unschuldigen würde Gott doch vor der Verbrennung bewahren! Ein anderer Test war die Wasserprobe. Dafür warf man den Beschuldigten in ein Gewässer und wenn er oben schwamm, handelte es sich um eine Hexe. Wir können also festhalten: Das war alles ziemlich willkürlich und am Ende war der Ausgang dieser „Prozesse“ ohnehin egal. Im Rechtsverständnis der Zeit zählte nur das Geständnis.

Vollkommen egal wie die Hexentests ausfielen, wurde danach verhört und erst mit dem Geständnis des Verhörten, der Verhörten, gab es eine Rechtsprechung. Und „Verhör“ klingt jetzt nur im ersten Moment wie ein faires Verfahren. Diese Vorstellung trifft aber noch nicht mal auf die erste Phase zu: das gütliche Verhör. Da konnte man als Angeklagter Fragen beantworten und gleich offen zugeben, dass man eine Hexe war. Tat man das aber nicht, folgte als zweite Phase das Vorzeigen der Foltergeräte. Und wenn man dann immer noch nicht sprach, folgte das peinliche Verhör. Das ist das schöne alte Wort für Folter. Wenn man dann unter Folter irgendwann gestanden hatte, folgte meist die Hexenverbrennung oder die Person wurde einfach gehängt. Gestand man aber auch unter Folter nicht, wurden Angeklagte auch immer wieder freigelassen. In welchem Zustand das geschah, kannst du dir wohl selbst denken.

Wer führte die Prozesse durch?

Ab dem 18. Jahrhundert wurde die Praxis dann aber immer öfter hinterfragt, weil nun doch langsam die Aufklärung Einzug hielt, die sich den Hexenglauben jetzt nicht ganz so pragmatisch herleiten konnte. Das heißt aber nicht, dass es nicht davor, in der Hochzeit der Hexenprozesse, auch schon Kritiker gegeben hätte. Es gab von Anbeginn des Hexenwahns auch Stimmen, die der Meinung waren, dass es Hexerei gar nicht geben konnte. Sie vertraten diese Überzeugung meist aus einem christlichen Glauben heraus. Fähigkeiten wie das Wettermachen waren schließlich Gott allein vorbehalten. Auch der Teufel und dementsprechend Hexen konnten so etwas nicht vollbringen. Die Kirche war in der Sache allerdings – wie schon gesagt – eher zwiegespalten. Sie war teilweise durchaus beteiligt an den Verfolgungen, da wie bei Heinrich Kramer die Grenze zwischen Inquisition gegen Ketzer und Verfolgung von Hexen oft eine fließende war.

Aber im Großen und Ganzen war die örtliche Gemeinschaft der treibende Faktor hinter dem Wahn, und nicht die Kirche. Wer dagegen keineswegs unbeteiligt war, waren die weltlichen Herrscher und ihre Verwalter. Denn wer führte die Hexenprozesse durch? Es waren weltliche Gerichte, an denen die „Hexen“ angeklagt wurden, besonders in kleinen Fürstentümern! Ein Grund dafür war, dass diese Staaten die am schlechtesten ausgebildeten Juristen hatten, wodurch viele Prozesse recht erwartungsgemäß endeten. Aber fing das in einem dieser Fürstentümer mal an, griff der Hexenwahn auch bald auf die Nachbarfürstentümer über, da sich die dortigen Bewohner von ihren Landesherren eine genauso konsequente Handhabung der Hexengefahr wünschten wie beim Nachbarn.

Man muss nicht papsttreu sein, um Hexen zu hassen

Ein weiteres häufiges Vorurteil der Hexenverfolgung ist, dass sie etwas mit der christlichen Konfession zu tun hat. Also dass entweder in evangelischen oder in katholischen Gebieten mehr Hexenprozesse stattfanden und mehr Menschen dran glauben mussten. Das stimmt allerdings nicht. Hexenverfolgungen fanden sowohl in evangelischen wie in katholischen Gebieten statt, wenn es auch Unterschiede gab. So waren interessanterweise in evangelischen Gebieten wie in Skandinavien deutlich mehr Männer unter den Opfern als weiter südlich. Das könnte daran gelegen haben, dass die lateinischen Quellen dort anders übersetzt und interpretiert wurden, sodass seltener von Hexen und öfter von Zauberern die Rede war. Es gab allerdings auch im katholischen Süddeutschland Hinrichtungen von Männern und auch Kinder waren nicht selten unter den Opfern.

Ein gutes Beispiel ist meine Ex-Heimatstadt Freising: Da wurden noch im 18. Jahrhundert Straßenkinder unter dem Vorwand der Hexerei verbrannt, nur weil sie eben Waisen waren und auf den Straßen lebten. Ob ein Gebiet also protestantisch oder katholisch war, machte in den Verfolgungen nur bedingt einen Unterschied. Außerhalb des christlichen Gebiets und auch im orthodoxen Christentum gab es allerdings keine nennenswerte Hexenverfolgung und auch im katholischen Südeuropa kamen sie kaum vor. Das könnte wiederum daran liegen, dass die Ernten in der kleinen Eiszeit dort merklich besser waren als im Norden. Die Gesamtopferzahl der Hexenprozesse gehört letzten Endes auch zu den Missverständnissen bei dem Thema. Sie wurde lange stark übertrieben. Es war noch bis vor wenigen Jahrzehnten von Millionen Toten die Rede. Bis zu neun Millionen Menschen gingen die Schätzungen. Realistischerweise geht man heute aber davon aus, dass wohl um die 60.000 Menschen in diesen 300 Jahren hingerichtet wurden. Davon waren ungefähr drei Viertel Frauen.

Die Hexenprozesse von Salem

Um zum Abschluss ein konkretes Beispiel zu nennen, wie so ein Hexenprozess ungefähr abgelaufen sein könnte, möchte ich noch eine klassische Geschichte mit dir teilen: Die Hexenprozesse von Salem. Salem ist eine Siedlung in Neuengland, die heute zu Massachusetts gehört. Die Prozesse fanden dort im Jahr 1692 statt und so gut wie alle Rahmenbedingungen, von denen ich bis jetzt gesprochen habe, treffen auch auf diesen Fall zu. Es gab in Salem eine ständige Bedrohung durch Angriffe von Ureinwohnern, die nicht ganz unverständlicherweise wenig erfreut darüber waren, dass sich diese Siedler dort breitgemacht hatten. Darüber hinaus war aber auch die politische Stellung der Siedlung kurz vor den Prozessen in Frage gestellt worden. Im Mutterland England fand zu dieser Zeit die Glorreiche Revolution statt und William von Oranien wurde neuer König. Als eine Folge davon war es nun unklar, ob die Gründungsurkunde von Salem noch gültig war oder ob sie zurückgenommen werden musste. Somit lebte der Ort in doppelter Unsicherheit, von den allgemeinen Versorgungsschwierigkeiten der nordamerikanischen Siedler ganz zu schweigen.

Die Geschichte der Prozesse beginnt dann im Winter 1691. Zwei Mädchen des Dorfes begannen eines Tages, eigenartig zu reden und über den Boden zu kriechen. Nachdem man zwar Ärzte gerufen hatte, die aber nicht wirklich eine Erklärung parat hatten, kam schnell der Verdacht auf: Teufelsbesessenheit. Der puritanische Ortspfarrer ließ gleich mal Vorsicht walten und erklärte das gesamte Dorf für vom Teufel besessen. Die zwei Mädchen wurden bedrängt, die Namen der Hexen zu nennen, die an ihrer Besessenheit schuld waren. Das taten sie auch. Sie benannten drei Frauen aus dem Dorf, die in der Gemeinschaft schon bekannt waren. Sie fielen allesamt in die klassische Kategorie: Menschen, die nicht sonderlich tief in der Dorfgemeinschaft verwurzelt waren und die teilweise erst seit kurzem in Salem lebten. Von da an entwickelte sich die Lage wie ein Schneeball weiter. Jede Beschuldigte nannte wieder neue Namen und über die nächsten Monate wurden fast 200 Menschen in diesem kleinen Dorf mit seinen 2000 bis 3000 Einwohnern beschuldigt, einen Teufelspakt eingegangen zu sein. Zwanzig von ihnen wurden auch hingerichtet. Die Hexenprozesse von Salem sind somit ein typisches Beispiel dafür, wie so ein Hexenprozess meist ablief.

Was waren also die Gründe für die Hexenprozesse?

Ich denke, die Ursache für die Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit ist in der Kombination der Faktoren zu suchen. Das sich verändernde Klima, die schlechter werdenden Lebensbedingungen, der tief verwurzelte Aberglaube, die Suche nach einfachen Sündenböcken und dann – und das darf man nicht unterschätzen – lokale Konflikte. Es war mit Sicherheit an vielen Orten so, dass die Menschen sich ihrer Widersacher dadurch entledigen wollten, dass sie sie als Hexen denunzierten. Zwischenmenschliche Konflikte in den Siedlungen wurden also auf diesem Weg „gelöst“. Diese unglückliche Kombination hat letzten Endes wohl dazu geführt, dass über diese 300 Jahre an die 60.000 Menschen sterben mussten.

An den Hexenprozessen und dem Hexenglauben sieht man, welche Macht kollektive Angst haben kann und welche Macht soziale Ausgrenzung hat. Eine Randgruppe von Menschen, die in den Dörfern und Städten nicht so gut integriert war, vielleicht erst seit kurzem dort lebte oder sich in irgendeiner Art nicht „konform“ verhielt, konnte hier ganz schnell zum Ziel großangelegter Verfolgung werden. Die Staaten waren wiederum bereit, sich an diesem Wahn auch noch zu beteiligen. In diesem Fall können wir somit tatsächlich sagen: Es gab 60.000 Tote und das ganz ohne großen Plan von irgendeinem einzelnen Akteur. Und das sollte doch jedem zu denken geben. Die Hexenverfolgung hat außerdem – und das ist mindestens genauso bemerkenswert – eine extreme Langlebigkeit bewiesen. Noch heute hat jeder von uns eine Vorstellung, was eine Hexe ist. Es geht sogar so weit, dass ein Donald Trump, wann immer er über seine „Verfolgung“ redet, von einem Witch Hunt spricht. Viele dieser Ideen gehen auf genau jene Zeit zurück und viele der Vorstellungen sogar direkt auf den Hexenhammer Heinrich Kramers. Nach fast 600 Jahren ist das doch eine bemerkenswerte Tatsache.

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Katha

Toller Beitrag!

Es darf nicht vergessen werden, dass Heinrich Kramers Werk anfangs überhaupt keinen Erfolg hatte und erst etwa 100 Jahre später seinen Siegeszug antrat. Demnach spielt dieses für die Anfänge der Hexenverfolgung eher eine geringe Rolle. Als seine Motive kann der persönliche Ehrgeiz oder psychische Probleme als gängige Meinung genannt werden.

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