Mythos

Auf dem Balkan spielt das Mittelalter für den Nationsmythos eine herausragende Rolle. Hier zum Beispiel das Gemälde "Schlacht auf dem Amselfeld" von Adam Stefanović aus dem jahr 1870.

Der Balkan, das Mittelalter und der Mythos um die Nation

Nationsmythen gehören überall auf der Welt fast zur Selbstverständlichkeit. Das trifft auf so gut wie jedes Land zu, der Balkan bietet uns in der Hinsicht trotzdem ein besonders spannendes Beispiel. Denn in nur wenigen anderen Teilen Europas spielt das Mittelalter eine so prominente Rolle darin, wie Nationen imaginiert werden. Gerade von außen wurde diese Tatsache ja immer wieder als Vorwand genommen, die Balkanstaaten als rückständig und barbarisch darzustellen. Worte wie „Pulverfass“, „Balkankrise“ und „Balkankriege“ kommen in den Sinn. Der Sache wollen wir uns in dieser Episode mal etwas unvoreingenommener (oder zumindest von einer anderen Seite voreingenommen) nähern und dafür habe ich mir zwei Fachleute ins Boot geholt: Danijel und Krsto vom Podcast Neues vom Ballaballa-Balkan! Gemeinsam schauen wir uns diese angeblichen Wurzeln der Nationen Kroatien und Serbien im Mittelalter näher an.

Für den Nationalismus in Kroatien und Serbien spielt das Mittelalter ja tatsächlich eine herausragende Rolle. In Kroatien verweisen Anhänger der geläufigen kroatischen Nationalidee nach wie vor auf einen gewissen König Tomislav, der das Land im Jahr 925 geeint haben soll. Was auch immer dieses Land damals genau war und was auch immer “geeint” heißen soll … In Serbien wiederum wird noch heute über die Schlacht auf dem Amselfeld, dem Kosovo Polje, gesprochen, in der serbische Truppen (eigentlich ja eine breite Koalition christlicher Truppen) gegen die heranrückenden Osmanen kämpften. Die Geschichte wirft einen langen Schatten auf dem Balkan. Die Nationen selbst wirken dadurch uralt und genau das ist auch der Sinn dieser Geschichten. Doch in Wirklichkeit sind auch die serbische oder kroatische Nation nicht älter als jede andere Nation: ziemlich genau zweihundert Jahre nämlich.

Links zur Episode:

Ballaballa-Balkan: https://ballaballa-balkan.de
Unsere gemeinsame Episode dort: https://soundcloud.com/user-89524652/neues-vom-ballaballa-balkan-episode-23-geschichtsmythen-oder-tausendjahrige-spinnereien
Alles zum Déjà-vu Newsletter: https://ralfgrabuschnig.com/newsletter
Die Episode auf dem Blog: https://ralfgrabuschnig.com/balkan-mittelalter-mythos
Blogpost zur Nationalismusforschung: https://ralfgrabuschnig.com/nationalismus-definition
Auf iTunes bewerten: https://itunes.apple.com/de/podcast/d%C3%A9j%C3%A0-vu-geschichte/id1352293122?mt=2
Déjà-vu finanziell unterstützen: https://ralfgrabuschnig.com/ueber-ralf-grabuschnig/#spenden

Der Sensenmann, der Schnitter, Gevatter Tod ... der Tod wurde in der Geschichte schon vielfältig dargestellt. Aber wo kommt der heute übliche Knochenmann her?

Der Sensenmann: Darstellung des Todes im Lauf der Geschichte

Der Tod ist schon eine merkwürdige Sache. Einerseits ist er so ziemlich das Universalste, das man sich als Menschheit überhaupt vorstellen kann. Der Tod trifft immerhin jeden und macht dabei keinen Unterschied. Ob arm oder reich, beliebt oder verhasst – er ist am Ende der große Gleichmacher. Das ist ja eigentlich ein tröstlicher Gedanke und …

Der Sensenmann: Darstellung des Todes im Lauf der Geschichte Weiterlesen »

Das finstere Mittelalter wird oft wie auf diesem Bild dargestellt: Ein Mönch, eine Schrift, viel Dunkel, wenig Licht. Aber dieser Mythos des Zeitalters ist nicht nur ein bisschen falsch.

Der Mythos vom finsteren Mittelalter

Das Mittelalter ist unter allen Epochen der Geschichte wohl diejenige, die am meisten mit Mobbing zu kämpfen hat. Es hat einfach keinen guten Ruf. Und dieser miese Ruf, den das Mittelalter geniest, lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: finster. Das Mittelalter ist einfach finster! Nicht ohne Grund wird es als Dunkles Zeitalter bezeichnet! Zu dieser Geschichte gehören ein paar Elemente dazu, die es angeblich so finster machten. Ein paar besonders Beliebte davon: Überall herrschte Armut, alle litten Hunger, alt wurde sowieso keiner, allerorts herrschte bestialischer Gestank dank der mangelnden Hygiene, Gewalt war allgegenwärtig, Folter an der Tagesordnung, jeden zweiten Tag wurden irgendwo Hexen verbrannt und man glaubte obendrein noch, die Erde wäre eine Scheibe. Dass das alles eher Mythos als historische Realität ist, liegt doch eigentlich auf der Hand.

Genau deshalb gehe ich in dieser Folge des Déjà-vu Geschichte Podcast dem Mythos des finsteren Mittelalters mal anständig auf den Grund. Wo kommt dieses noch immer so verbreitete Bild der Epoche her? Seit wann gibt es solche Beschreibungen und in welchem Zusammenhang sind sie entstanden? Denn eines ist doch klar: Ganz allein der Realität geschuldet sein, können sie nicht. Dafür sprechen dann doch zu viele große Errungenschaften des Mittelalters dagegen. Denn immerhin entwickelten sich in dieser Zeit auch Architekturstile wie die Gotik, die zuvor nicht mal für möglich gehalten worden wären. Die Universität wurde im Mittelalter erfunden, italienische Handelsstädte und die Hanse revolutionierten den Handel, und und und … Also: Woher die ganzen Vorurteile? Es stellt sich heraus: Gewisse Menschen hatten einfach ein persönliches Interesse an diesem Image des Mittelalters. Ihre Argumente hallen bis heute nach.

Auf deja-vu-geschichte.de findest du auch den Blogpost zu dieser Episode. Dort werfe ich einen Blick auf die Darstellung des Mittelalters in Filmen und schaue mir somit ein paar der in dieser Folge besprochenen Vorurteile in der Praxis an. Wenn dir der Geschichte Podcast gefällt, dann abonniere ihn doch bitte und bewerte ihn auf iTunes! Das hilft mir ungemein, ein bisschen Sichtbarkeit in der großen weiten Welt der Podcasts zu erlangen.

Links zur Episode:

Alles zum Déjà-vu Newsletter: https://ralfgrabuschnig.com/newsletter
Blogpost der Woche: https://ralfgrabuschnig.com/mittelalter-film
Episode zur Geschichte des Klimawandels: https://ralfgrabuschnig.com/klimawandel-geschichte
Auf iTunes bewerten: https://itunes.apple.com/de/podcast/d%C3%A9j%C3%A0-vu-geschichte/id1352293122?mt=2
Déjà-vu finanziell unterstützen: https://ralfgrabuschnig.com/ueber-ralf-grabuschnig/#spenden